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Das Groschenheft als Bildungsfaktor oder die Zähmung der Einbildungskraft

Ernst Jüngers Roman »Die Zwille« von 1973 wiedergelesen

Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 63. Heft 2
DOI: https://doi.org/10.28937/1000108218

Inhalt

  • | Kapitel kaufen Cover 1
  • | Kapitel kaufen Inhaltsverzeichnis 179
  • | Kapitel kaufen Abstracts 181
  • | Kapitel kaufen ABHANDLUNGEN 187
  • | Kapitel kaufen Praktiken zur Autonomie. Zu Moritz’ Über die bildende Nachahmung des Schönen. Von Carolin Rocks 187
  • | Kapitel kaufen Zeit und Nichtigkeit (Kant, Hegel, Novalis). Von Christian Jany 205
  • | Kapitel kaufen Von der Kunst, sich fremd werden zu können. Der ästhetische Standpunkt als Korrektiv praktischer Vernünftigkeit. Von Judith-Frederike Popp 227
  • | Kapitel kaufen Was (wenn überhaupt etwas) ist falsch an der Perspektive? Von Dominique Laleg 247
  • | Kapitel kaufen Diffusion – Disjunktion – Distanz. Erwin Panofskys kulturmorphologische Grundierung oder Nachdenken über Renaissance and Renascences (1944). Von Melis Avkiran 267
  • | Kapitel kaufen Schriftbildakte. Begriff, Probleme, Beispiele. Von Dirk Westerkamp 285
  • | Kapitel kaufen Warum es heute schwerer als früher ist, aktuelle Kunst zu verstehen. Von Jakob Steinbrenner 303
  • | Kapitel kaufen MISZELLE 319
  • | Kapitel kaufen Das Groschenheft als Bildungsfaktor oder die Zähmung der Einbildungskraft. Ernst Jüngers Roman »Die Zwille« von 1973 wiedergelesen. Von Heiko Christians 319
  • | Kapitel kaufen BESPRECHUNGEN 329
  • | Kapitel kaufen Eva Schürmann: Vorstellen und Darstellen – Szenen einer medienanthropologischen Theorie des Geistes (von Daniel M. Feige).329
  • | Kapitel kaufen Íngrid Vendrell Ferran: Die Vielfalt der Erkenntnis – Eine Analyse des kognitiven Werts der Literatur (Tegtmeyer, Henning).335
  • | Kapitel kaufen Anschriften der Autoren 343

Beschreibung

Das Groschenheft als Bildungsfaktor oder die Zähmung der EinbildungskraftErnst Jüngers Roman Die Zwille von 1973 wiedergelesen
Ernst Jüngers Roman Die Zwille von 1973 wird als Glied einer Kette von BildungsromanenJüngers gelesen. Die Zwille gibt gattungstypisch präzise Auskunft überden historischen und systematischen Ort des ›bildenden‹ Lesens. Der Roman zeigt,wie unterhaltsamer Stoffkonsum, deep reading und repetitive Auswendigkeitslektüreentstehungsgeschichtlich gelagert sind. Er zeigt aber auch, wie diese Techniken vonjedem und jeder Einzelnen eingeübt werden müssen, um eines Tages so zusammenspielenzu können, dass im Bildungsprozess eine ebenso haltbare wie gehaltvolleVorstellung von der eigenen Person erlangt werden kann. Schließlich wirddeutlich, dass dabei verschiedene Einfühlungskapazitäten verschiedener Medientechnikeneine große Rolle spielen. Die Einbildungskraft wird periodisch technischneu organisiert. Da von hier aus die ›gesellschaftlich‹ entscheidenden mimetischenSchleifen in Gang gesetzt werden, lohnt sich die Beobachtung (mit Jünger).
Ernst Jünger’s 1973 novel »Die Zwille« (»The Slingshot«) is read as a link in a chain of›Bildungsromane‹ by Jünger. In a manner typical of that genre, »Die Zwille« provides exactinformation on the historical and systematic place of ›educative‹ (›bildend‹) reading. The novelshows how the consumption of reading matter for entertainment, deep reading, and repetitivereading by rote are embedded in the history of its development. However, it also showshow these techniques must be rehearsed by each individual if they are one day to interplay insuch a manner in the course of the process of ›Bildung‹ as to allow for a solid and substantivenotion of the self to be attained. Finally, it becomes apparent that the varying capacities forsensitivity and intuition (›Einfühlung‹) of various media techniques have a great part to playin this process. The imagination is periodically reorganized by technical means. Since this iswhere the ›socially‹ decisive mimetic loops are set into action, it is worthwhile to join Jüngerin this exercise in observation