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Aufklärung, Band 28: Aufsatzpraktiken im 18. Jahrhundert


Herausgegeben von Markus Meumann und Olaf Simons
Aufklärung 28. 2017. Bandherausgeber: Markus Meumann und Olaf Simons. 427 Seiten.
978-3-7873-3164-2. E-Book
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Inhalt

  • | Kapitel kaufen Cover1
  • | Kapitel kaufen Inhaltsverzeichnis3
  • | Kapitel kaufen Einleitung. Aufsatzpraktiken (nicht nur) im 18. Jahrhundert 5
  • | Kapitel kaufen Abhandlungen29
  • | Kapitel kaufen Jens Nagel: Schulrhetorik an Gymnasien um 1700. Die öffentlichen Redeakte zwischen Meritokratie und Repräsentation 29
  • | Kapitel kaufen Michael Rocher: „Fleiß ist die halbe Tugend schon – Liebet ihn: herzlich ist sein Lohn.“ Schülerarbeiten und Aufsätze des späten 18. Jahrhunderts als ‚neues‘ moralisches Erziehungsinstrument? 61
  • | Kapitel kaufen Sebastian Kühn: Feder-Mund-Auge-Ohr. Soziale und epistemische Logiken von Aufsätzen in den naturforschenden Akademien um 1700 81
  • | Kapitel kaufen Martin Urmann: Zwischen „prix de dévotion“, Wissensreflexion und Reformdiskurs. Die Preisfragen der französischen Akademien als literarische und epistemische Gattung und die Frage nach dem „Jugement du Public“ an der Akademie von Besançon aus dem Jahr 1756105
  • | Kapitel kaufen Lucinda Martin: Noch eine „res publica literaria“? Die Briefe der Unsichtbaren Kirche als diskursiver Raum135
  • | Kapitel kaufen Barbara Becker-Cantarino: Rechenschaft und Kontrolle. Herrnhuter Lebensläufe aus der ‚Indianermission‘ in Nordamerika ca. 1760 - 1800 173
  • | Kapitel kaufen Nina Hahne: Der Rede-Essay als Selbsttechnik in Deutschen Gesellschaften des 18. Jahrhunderts 191
  • | Kapitel kaufen Andreas Golob: „Schiken Sie mir zuweilen auch was Interessantes zum Anhang“. Para- und metatextuelle Einblicke in Entstehung, Distribution und Wirkung der polyhistorischen Aufsätze im Anhang der Grazer Bauernzeitung 215
  • | Kapitel kaufen Markus Meumann: Logenreden und Übungslogen. Zur Praxis des Sprechens und Schreibens über vorgegebene Themen in der Freimaurerei des 18. Jahrhunderts 239
  • | Kapitel kaufen Peggy Pawlowski: Arkane Belehrung und Menschenführung. Zu Stellung und Verwendung essayistischer Formen im Illuminatenorden 275
  • | Kapitel kaufen John A. McCarthy: Denken, schreiben, lesen, ethisch handeln. Quellen und Kontext des Aufsatzschreibens der Illuminaten am Beispiel von Schack Hermann Ewald317
  • | Kapitel kaufen Martin Mulsow: Die Gothaer Illuminaten als fortgeführte „gemeinnützige Privatgesellschaft“? Die Aufsatzpraxis der Gothaer Sozietät von 1778 und die Minervalkirche von 1783–1787343
  • | Kapitel kaufen Reinhard Markner: Zwischengrade und Probeaufsätze: Unbekannte Lehrschriften der Illuminaten 361
  • | Kapitel kaufen Olaf Simons: Der Illuminatenorden als Volksaufklärer? Rudolph Zacharias Becker und das scheiternde Projekt des Ordens als Preisausrichter377
  • | Kapitel kaufen Kurzbiographie411
  • | Kapitel kaufen Olaf Simons: Christian Gottfried Hoffmann (1692-1735)411
  • | Kapitel kaufen Diskussion421
  • | Kapitel kaufen Kęstutis Daugirdas: Sascha Salatowskys Studie "Die Philosophie der Sozinianer" 421

Beschreibung

Kaum ein Wort macht im 18. Jahrhundert im Deutschen eine so eigenartige Karriere wie das Wort „Aufsatz“. Zu Beginn des Jahrhunderts noch die Bezeichnung für Düsenaufsätze sowie für Kommoden- und Schrankaufsätze, wird es in der zweiten Jahrhunderthälfte zum ubiquitären Begriff für eine Textsorte, von der nicht recht klar wird, ob sie nun ihrerseits eigentlich neuartig ist oder nicht. Im deutschen Zeitungswesen bezeichnet das Wort „Aufsatz“ um 1800 vorübergehend so gut wie alle Formen von Beiträgen, die in einem Blatt einlaufen – vom heutigen „Artikel“ über die sachlich-wissenschaftliche „Abhandlung“ bis hin zum thematisch-pointierten „Essay“. Tatsächlich erscheinen viele solcher später als „Essays“ klassifizierten Texte zunächst unter anderen Bezeichnungen wie „Fragment“, „Versuch“, „Entwurf“ oder eben „Aufsatz“. Zugleich setzen jedoch in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts verstärkt Bemühungen ein, den Aufsatz verbindlicher zu bestimmen und ihn auf eine regelhafte Form zu verpflichten (im Schulwesen, in gelehrten Gesellschaften, in der Wissenschaft).
Die Karriere des deutschen „Aufsatzes“ – des Wortes ebenso wie der damit verbundenen Schreibpraktiken und Texte – ist ein genuin praxeologisches Phänomen, das nicht vorschnell mit einem Blick auf seine literarische oder rhetorische Definition in seiner Textlichkeit erklärt werden sollte. Vielmehr handelt es sich, so die Kernthese des vorliegenden Bandes, um eine Praxis, die sich aus verschiedenen Quellen und gesellschaftlichen Erfordernissen speist und auf diese reagiert. Es ist das primäre Anliegen dieses Bandes und seiner Beiträge, die Quellen der sich im Laufe des 18. Jahrhunderts ausbreitenden Aufsatzpraktiken in den Blick zu nehmen und so die Entstehungskontexte und funktionalen Zusammenhänge dieser sehr spezifischen, mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und sozialen Praktiken des 18. Jahrhunderts auf das Engste verbundenen Praxis sichtbar zu machen.