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Die Seele als System

Aristoteles' Wissenschaft von der Psyche

Paradeigmata 25. 2001. Unverändertes eBook der Ausgabe von 2001. VIII, 186 Seiten.
978-3-7873-2559-7. E-Book (PDF)
DOI: 10.28937/978-3-7873-2559-7
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Inhalt

  • | Kapitel kaufen InhaltsverzeichnisV
  • | Kapitel kaufen VorbemerkungVII
  • | Kapitel kaufen Einleitung: Die Seele als zweckmäßig arbeitendes System - These und Aufbau der Untersuchung1
  • | Kapitel kaufen I. Die Vermögen der Seele auf der Stufenleiter von Pflanze, Tier und Mensch13
  • | Kapitel kaufen II. Das Herz als Ursprungsort aller psychisch bedingten Bewegungen18
  • | Kapitel kaufen III. Die dreifache Kausalität der Seele als Wirk-, Form- und Zweckursache27
  • | Kapitel kaufen IV. Die drei seelischen Systeme und ihre sukzessive Aktivierung in der Ontogenese33
  • | Kapitel kaufen 1. Die Vegetativpsyche als eine an Selbsterhaltung arbeitende Struktur35
  • | Kapitel kaufen 2. Die Sensitivpsyche als arbeitendes Funktionsgefüge von peripheren Sensorien und Zentralsensorium40
  • | Kapitel kaufen a) Die Dreistufung von uninterpretierten, objektivierenden und identifizierenden Wahrnehmungsleistungen als Resultat einer fortgesetzten Aktivitäts- und Komplexitätssteigerung des Sinnessystems44
  • | Kapitel kaufen b) Die Vorstellung (phantasia) als besonderer Operationsmodus des Sinnessystem, der fünf Stufen rein innerer Erscheinungen hervorbringt57
  • | Kapitel kaufen 3. Die Geistpsyche als punktzentriertes System, dessen Denkleistungen durch Arbeit an Vorstellungenerbracht werden67
  • | Kapitel kaufen V. Die operative Allgegenwart der Seele in den Organen ihres Funktionskreises97
  • | Kapitel kaufen VI. Wie angemessen und von welchem Typ ist die Definition der Seele als »erste Entelechie eines natürlichen Körpers, der organisch ist, d.h. der Möglichkeit nach Leben hat«?101
  • | Kapitel kaufen 1. Die Seele als unselbständiges »Wesen (ousia)«102
  • | Kapitel kaufen 2. Der Zusammenhang der Begriffe »dynamis«, »energeia« und »entelecheia« bei der Erklärung von Realisierungen psychischen Systempotentials104
  • | Kapitel kaufen 3. Die Seele ist nicht selbst die »erste Entelechie« des Leibes ( d.h. seine Gesamtkapazität an Wirk- und Aushaltepotential), sondern dasjenige, was diese hervorbringt116
  • | Kapitel kaufen 4. Die »erste« und »zweite Entelechie« als Differenz zwischen ruhendem (aber jederzeit realisierbarem) und vollaktiviertem Systempotential der Seele126
  • | Kapitel kaufen VII. Weshalb Aristoteles weder Dualist noch Materialist noch Funktionalist ist, sondern die schöpferische Kraft der Form behauptet132
  • | Kapitel kaufen VIII. Die Seele des Gottes, der Gestirne und des Weltganzen - Ausblick in die aristotelische Kosmotheologie147
  • | Kapitel kaufen Siglenverzeichnis zitierter Aristoteles-Schriften165
  • | Kapitel kaufen Literaturverzeichnis167
  • | Kapitel kaufen Personenregister179
  • | Kapitel kaufen Sachregister183

Beschreibung

Während die Aristotelische Seelenlehre dem Christentum jahrhundertelang als Bollwerk gegen Materialismus und Zufallsdenken gegolten hatte, nennt man Aristoteles seit geraumer Zeit entweder einen 'Materialisten' oder aber den 'ersten Funktionalisten'. Dieser Verlegenheit suchen andere zu entgehen, indem sie den Philosophen als 'Dualisten' cartesischer Art interpretieren. Gegenüber solchen in zahllosen Spezialuntersuchungen vertretenen Forschungsthesen wagt das vorliegende Buch eine neue Gesamtdeutung der Aristotelischen Psychologie und zeigt, daß Aristoteles weder Materialist noch Funktionalist noch Dualist ist, sondern die Seele als schöpferische funktionale Form des Leibes versteht.

Die Kapitel 1-6 untersuchen zunächst die Psyche der irdischen Lebewesen: ihre Vermögen auf der Stufenleiter von Pflanze, Tier und Mensch. Die Untersuchung kommt zum Ergebnis, daß die Psyche hier als eine zweckmäßig arbeitende funktionale Struktur, d. h. als ein System mit interner Bewegung verstanden werden kann, das emergente Leistungen wie Leben, Wahrnehmen und Denken erzeugt: die Nährseele als eine an Selbsterhaltung arbeitende Struktur, die Sinnenseele als arbeitendes Funktionsgefüge von peripheren Sensorien und Zentralsensorium, die Vernunftseele als punktzentriertes System, dessen Denkleistungen durch Arbeit an Vorstellungen erbracht werden.

Kapitel 7 weist die gängigen Deutungsmuster der aristotelischen Seelenlehre als Dualismus, Materialismus, Behaviorismus, Identitätstheorie oder Funktionalismus als unzulänglich zurück.

Kapitel 8 untersucht schließlich die Psyche der himmlischen Wesen: Die Passagen aus 'De caelo' und 'Metaphysik XII', an denen Aristoteles dem Gott wie den Gestirnsphären eine Seele zuschreibt und sogar dem Weltganzen eine Art von Beseeltheit, werden immanenztheologisch interpretiert, so daß die ganze aristotelische Kosmologie als wissenschaftliche Aufklärung über den rationalen Kern des mythischen Götterglaubens verstanden werden kann.