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Theorie der Gesellschaft und empirische Sozialforschung

Zur Logik der Aufklärung des Unbewussten

Stapelfeldt, Gerhard

2004

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Bibliografische Daten

Abstract

Die Feststellung Adornos aus dem Jahre 1957, "daß das, worauf es eigentlich ankäme, die Verbindung empirischer Erhebungen mit theoretisch zentralen Fragestellungen, trotz vereinzelter Ansätze bis heute nicht gelungen" sei, ist heutzutage alles andere als überholt. Gerade wo an die Stelle eines bestimmten Begriffs von Gesellschaft die unbestimmte Metapher der "Globalisierung" getreten ist, setzt sich ein verdinglichtes, gesellschaftliche Verhältnisse individualisierendes und fetischisierendes Bewußtsein durch, das die Bewußtlosigkeit seiner Gesellschaftlichkeit ideologisch verdoppelt. Eine Theorie der Gesellschaft, die ihrem Begriff entspricht, ist nur als kritische Theorie möglich, was heißt, sie ist kritisch nur als immanent ansetzende, die gegebene Gesellschaft transzendierende Theorie, die die Differenz zwischen Sein und Schein, Selbstverständnis und Selbsttäuschung, Realität und Utopie freilegt: So ist sie Krisentheorie, Theorie des gesellschaftlichen Widerspruchs von existierender Unvernunft und utopischem Vernunftanspruch, von Irrationalität und Rationalität, von Verdinglichung und vernünftiger Transzendenz. Dabei steht das kritische Bewußtsein nicht neben dem unkritischen, etwa der fachsoziologischen empirischen Forschung, sondern geht von diesem aus, um es zu überschreiten. Der Text entstand parallel zu einer umfangreichen, vom Autor durchgeführten empirischen Untersuchung. Da in der Theorie der Gesellschaft eine vom Inhalt abgelöste Forschungsmethode nicht zu haben ist, geht es nicht um Forschungsanleitungen, sondern um Reflexionen zum Verhältnis von Gesellschaftstheorie und Empirie, die notwendig mit der Klärung substantieller, inhaltlicher Fragen verbunden sind.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover U1
Inhaltsverzeichnis 5
Vorwort 9
Einleitung 11
1. Defizite der fach-soziologischen empirischen Forschung, erläutert am Beispiel der Arbeitslosigkeits- und Armutsforschung 17
2. Methodischer Ansatz und Aufgaben einer dialektischen Sozialforschung, erläutert an der Arbeitslosigkeits- und Armutsforschung 34
3. Der gesellschaftstheoretische Rückgang hinter die Erscheinung der Tatsachenwelt. Die Entdeckung des Gesellschaftlich-Unbewußten durch Reflexion 45
Erstes Kapitel: Philosophie und Sein. Die Dialektik der Aufklärung in der Konstruktion der Wirklichkeit 73
1. Sein und Schein: Antike Ontologie 75
2. Von den Anfängen der bürgerlichen Philosophie bis Kant. Induktion, Deduktion, Reflexion 91
3. Übergang von der klassischen Philosophie in die dialektische Theorie der Gesellschaft und in den Positivismus 111
Zweites Kapitel: Kritische Theorie der Gesellschaft und empirische Forschung 149
1. Max Horkheimers Programm. Vermittlung von philosophischer Konstruktion und Empirie 151
1.1 Programmatische Schriften und Manuskripte 151
1.2 Studien über Autorität und Familie (1936) 173
2. Theodor W. Adorno- Das Verhältnis von Gesellschaftstheorie und Empirie 194
2.1 Programmatische Schriften und Vorlesungen 195
2.2 The Authoritarian Personality (1950) 213
3. Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie. Induktive, deduktive und reflexive Forschung 234
Drittes Kapitel: Modelle dialektischer Sozialforschung 245
1. Umrisse einer dialektischen Sozialforschung 248
1.1 Idee und Begriff der Reflexion 248
1.2 Die Apologie des Sokrates: Reflexion und Dialog 260
2. Karl Marx’ Kritik der Politischen Ökonomie. Kritik des Kapitalismus durch Kritik der liberalen Theorie 274
2.1 Dialektik als Forschungsmethode 279
2.2 Dialektik als Darstellungsweise 300
3. Sigmund Freuds psychoanalytische Forschungs- und Behandlungsmethode. Erinnerung des Gesellschaftlich-Unbewußten durch das Individuum 317
3.1 Hypnose – Kathartische Methode – Psychoanalyse: Die Entwicklung der Forschungsmethode 321
3.2 Die Stufen der psychoanalytischen Forschungs- und Behandlungsmethode 337
3.3 Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie 365
4. Paulo Freires Pädagogik der Befreiung. Bildung als Aktionsforschung 375
4.1 Die Bedeutung von Bildung für die Überwindung der Unterentwicklung 379
4.2 Freires Idee einer befreienden Pädagogik: »conscientização« und die Utopie eines selbstbewußten Subjekts 394
4.3 Dogmatische Begründung emanzipatorischer Bildungspraxis 404
4.4 Kolonisiertes Bewußtsein und die Aneignung des Wortes: Kritische Begründung emanzipatorischer Bildungspraxis 410
4.5 Alphabetisierung als Reflexion: Selbst-Erforschung, Erforschung der Welt und Revolution 418
Anmerkungen 435
Literatur 503