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Gentrifidingsbums oder Eine Stadt für alle

Twickel, Christoph

Nautilus Flugschrift

2011

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Wenn draußen nur noch das leise Raspeln von Rollkoffern auf dem Pflaster zu hören ist, wo sich früher die Nachbarn mit der Hupe rausgeklingelt haben; wenn das Bauschild vor dem Apartment-Rohbau das Viertel als 'bunt und frech' anpreist; wenn die Suche nach einem WG-Zimmer zur Castingshow wird; wenn die Ballonseidenanzug-Träger an den Stadtrand ziehen; wenn der türkische Elektrohöker einem Flagshipstore weicht und selbst nachts um halb zwei noch Leute mit aufgeklapptem Macbook in der Bar sitzen: Dann ist es allerhöchste Zeit, sich Gedanken zum Thema Gentrifizierung zu machen. Eine Linke könne heute nur aus einer Bewegung hervorgehen, die gegen Gentrifizierung und die Rendite kämpft, meint der italienische Philosoph Toni Negri. Genau dies geschieht derzeit in Hamburg: Eine unübersichtliche 'Multitude' macht sich auf, an den Grundfesten der neoliberalen Metropole zu rütteln. Mitten in der Premium 1A-Lage der innerstädtischen Shopping- und Office-Zone besetzen Künstler und Aktivisten in Hamburg ein halbverfallenes ehemaliges Arbeiterquartier. Das 'Gängeviertel' wird zur Besetzung der Herzen, die nostalgische Senioren und postautonome Wursthaarträger zusammenführt im Kampf gegen Investorenarchitektur und Verdrängung. In einem Manifest mit dem Titel 'Not In Our Name, Marke Hamburg' verwahrt sich fast die gesamt Kulturszene dagegen, zum Standortfaktor für eine Stadt zu werden, deren Sahnelagen nur den Besserverdienenden zustehen. Schrebergärtner und Baumschützer, Kiez-Rentner und prekäre Desktop-Jobber, freie Künstler und Mieter-Aktivisten: Überall ist plötzlich vom 'Recht auf Stadt' die Rede.Christoph Twickel, geboren 1966, Journalist und Buchautor, hat die Hamburger 'Recht auf Stadt'-Bewegung als Journalist begleitet und ist als Mitinitiator und Sprecher von 'Not In Our Name, Marke Hamburg' zu einem ihrer Protagonisten geworden. Bei Edition Nautilus sind von ihm folgende Bücher erschienen: »Hugo Chavez. Eine Biographie« sowie »Läden, Schuppen, Kaschemmen – eine Hamburger Popkulturgeschichte«.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover U1
Vorwort 6
Kapitel 1: Inés oder Profit Center in der Problemzone 10
Kapitel 2: »Wir können gar nicht anders.« Interview mit Christoph Schäfer über die Frage, warum die Stadt eine Fabrik ist. 20
Kapitel 3: Vom Unternehmen Stadt zur Image City 26
Kapitel 4: Künstler rein, Arme raus. Kultur als Standortfaktor 51
Kapitel 5: Komm in die Gänge oder Wunder in der Stadt der Tiefgaragen 72
Kapitel 6: »Wir wollten in das Herz der Stadt.« Ein Gespräch über das Gängeviertel 90
Kapitel 7: Auf dem Weg zu einer Stadt für alle 102
Gentrifizierung ist Klassenkampf von oben 102
Was soll der bohemistische Schuldkomplex? Oder: Auch Gentrifizierer können streiken 105
Aneignen ist auch eine Investition. Oder: Von der Nische zur Schneise 108
Recht auf Stadt oder Barbarei 113
Anhang: Not In Our Name, Marke Hamburg! 117
Anmerkungen 122
Bildnachweise 127
Inhaltsverzeichnis 128