Menu Expand

Ästhetisierung und Literatur

Begriff und Konzept von 1800 bis heute

Dziudzia, Corinna

Beiträge zur Literaturtheorie und Wissenspoetik, Bd. 2

2015

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Mit dem Begriff der Ästhetisierung ist Vieles, über ihn jedoch erstaunlich wenig gesagt worden. Sein heutiges Verständnis ist widersprüchlich: Disziplinenübergreifend wird der Begriff einerseits auffallend negativ als unzulässige Verkunstung und verharmlosende Verschönerung, andererseits aber auch positiv, beispielsweise als sensibilisierende Gestaltung gebraucht. Als Fundament der vorliegenden Arbeit dienen konkrete Wortverwendungen der Ästhetisierung aus den letzten 200 Jahren. Diese bezeugen, dass die Ästhetisierung Bestandteil des literar(histor)ischen Diskurses ist. Zudem handelt es sich um einen umkämpften Begriff: Verwenden und bewerten Autoren wie Georg Simmel ihn positiv als Kultivierung, sehen vor allem rechtskonservativ-völkische Autoren die Ästhetisierung als Kennzeichen von Verfall und Dekadenz. Spuren davon finden sich auch im heutigen Verständnis, werden aber erst erklärlich, wenn die einzelnen Begriffsschichten als Teil eines umfassenden Konzepts betrachtet werden.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover 1 Cover 1
Inhaltsverzeichnis 5
1 Eine Geschichte des Ästhetisierungsbegriffs: theoretische und methodische Überlegungen zum Vorhaben der Arbeit 7
2 Erste Ästhetisierungsbegriffe und -verständnisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts 25
2.1 Goethes „Ästhetisirung der Gegend“: vom rohen zum entwickelten Zustand 25
2.2 Orientierung an der Kunst: Novalis’ "Glauben und Liebe" und Schlegels "Lucinde" 34
2.3 Zeiten im Umbruch: flanierende Betrachtungsweisen und Eichendorffs „Aesthetisierung des Christenthums“ 42
3 Die Weltausstellung als ästhetisch-politisches Ereignis und Initiator der Reformbewegungen 59
3.1 Schöne und geschmacklose Dinge: Stifters Rosenhaus und Sempers Kritik 59
3.2 Veredelung durch künstlerische Zielsetzung: Sartorius, Exner, Reuleaux und Simmel 67
4 Pluralisierungen und Ausdifferenzierungen des Ästhetisierungsbegriffs zwischen 1850 und 1910 83
4.1 Ästhetisierung als kunsthafte Anschauung: Leben, Moral und Wissenschaft als ästhetische Phänomene 83
4.2 Materiale Ästhetisierung des Lebens: Reformbewegungen in Deutschland 108
4.3 Ästhetisierung als Kultivierung: von Lange zu Simmel und Hamann 132
5 Die politische Dimension des Ästhetisierungsbegriffs und der Gegenbegriff der Politisierung 153
5.1 Das Verhältnis von Kunst und Politik: politisieren, ästhetisierende Literaten und die Ästhetisiererei 153
5.2 Zur Politisierungsdebatte: Zuspitzung vor und während des Ersten Weltkriegs 176
6 Nachdenken über Kunst im technischen Zeitalter vor dem Hintergrund sich ausbreitender völkischkonservativer Ideologie 205
6.1 Ästhetisierung zwischen den Kriegen: Von Cysarz zu Schmitt 205
6.2 Faschismus im Angesicht der Kamera: Kracauer und Benjamin 228
6.3 Der Begriff nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Ästhetisierung als scheinhafte Täuschung und literarische Technik 255
7 Die Ästhetisierung des Lebens vor dem Hintergrund ausgewählter Romane der Gegenwartsliteratur 273
7.1 Verschönern und Inszenieren: Der „Ästhetisierungs-Boom“ zu Beginn der 1990er Jahre 273
7.2 Potenzierte Ästhetisierungen bei Zeh, Mosebach und Tellkamp: Beispiele aus der Gegenwartsliteratur 286
8 Schlussbemerkung 345
Literaturverzeichnis 353
Danksagung 381
Cover 4 Cover 4