Menu Expand

Radikal fremd

Gestalten des irreduziblen Andersseins in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur

Spedicato, Eugenio

Beiträge zur Literaturtheorie und Wissenspoetik, Bd. 11

2018

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Fremdheit ist „eine Wunde, die nicht völlig vernarbt“ (Bernhard Waldenfels). Dieser Gedanke verdient es, als produktive Metapher weitergeführt zu werden. „Radikale Fremdheit“ (Waldenfels), die extremere Variante von Andersheit, lässt sich weder philosophisch entschärfen noch literarisch durch Interkulturalität erträglich machen und auch nicht durch geschickte Zwischenlösungen domestizieren. Man fühlt sich radikal fremd, man begibt sich selbständig in radikale Fremdheit oder man wird in sie geradezu gedrängt. Deshalb wäre es an der Zeit, radikale Fremdheit als Existenzform ernst zu nehmen, und zwar als eine solche, die nicht mit Andersheit zu verwechseln ist, da sie voraussetzt, dass das Subjekt in Permanenz außer sich selbst ist und weder dem Zwang zur Versöhnung noch Feindseligkeiten nachgeben will, da er auch Anfeindung als Maßnahme des Selbstschutzes billigt. Radikale Fremdheit ist einfach da, nicht viel anders als der Selbsterhaltungstrieb oder das Glücksstreben: Sie ist ein Mehrwert der unhintergehbaren Individualität, eine Antagonistin des postmodernen Selbst, eine Chiffre der Kontingenzepoche. Am Beispiel von Romanen Thomas Bernhards, Jean Amérys, Josef Zoderers, Friedrich Dürrenmatts, Gerhard Roths, Christian Krachts und Rainald Goetz’ setzt der Autor die Überlegungen seines Buches ‚Kompensation und Kontingenz in deutschsprachiger Literatur‘ (2016) fort.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover C
Titel III
Impressum IV
Inhalt 1
1 „Radikale Fremdheit“ 5
2 Thomas Bernhard: ‚Das Kalkwerk‘ (1970) 17
2.1 An einem allegorischen Ort 17
2.2 In eigener Wunschwelt neurotisch gefangen 20
2.3 Tödliche Zweisamkeit 22
3 Jean Améry: ‚Lefeu oder Der Abbruch‘ (1974) 27
3.1 Zum Hintergrund des Romans 27
3.2 Lefeu als radikal fremder Künstler 30
4 Joseph Zoderer: ‚Die Walsche‘ (1982) 39
4.1 Ein Gefühl erdrückender Fremdheit 39
4.2 Identitätsgewinn 43
4.3 „eine Festigkeit durch das Niedergedrücktsein“ 48
5 Friedrich Dürrenmatt: ‚Der Winterkrieg in Tibet‘ (1984) 53
5.1 Literatur des Kalten Kriegs 53
5.2 Epos des Einzelkämpfers 56
6 Gerhard Roth: ‚Der See‘ (1995) 61
6.1 Ausgesetztheit 61
6.2 Widerstand 67
7 Christian Kracht: ‚Faserland‘ (1995) 71
7.1 Ein ‚Melalkoliker‘ auf der Suche nach Substanz 71
7.2 Gekränkter Infantilismus 74
7.3 Eine Art Gefühlsintegrität 76
8 Rainald Goetz: ‚Johann Holtrop. Abriss der Gesellschaft‘ (2012) 81
8.1 Triumph der Verachtung 81
8.2 Wirtschaftsromane gestern und heute ‒ ein Vergleich mit Dieter Wellershoffs ‚Der Sieger nimmt alles‘ (1982) 85
8.3 Radikale Fremdheit als generalisierte Erzählhaltung 87
Schlusswort 93
Literaturverzeichnis 97
Backcover 100