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Der witzige, tiefe, leidenschaftliche Kierkegaard

Zur Kierkegaard-Rezeption in der deutschsprachigen Literatur bis 1920

Wiebe, Christian

Beiträge zur neueren Literaturgeschichte [Dritte Folge], Bd. 311

2013

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzt in Deutschland und Österreich eine breite Kierkegaard-Rezeption ein. Die Begeisterung für die Schriften des Dänen erfasst Philosophen, Theologen und Schriftsteller. Diese Arbeit konzentriert sich auf die Bedeutung Kierkegaards für die Literatur und fragt nach ihren Gründen und Funktionen. Wozu brauchen die Schriftsteller Kierkegaard? Welche Anregungen gehen von ihm aus? Die Studie gibt einen Überblick über verschiedene Formen der Rezeption – ausgehend von Kierkegaards Kulturkritik bis zu seiner Psychologie und seinen Parabeln. Zwar gibt es besonders zur Existenzphilosophie viele Berührungspunkte, doch die frühen literarischen Echos sind in ihrer Gestalt zu vielfältig, um in einer Vorgeschichte des Existentialismus aufzugehen. Untersucht wird die Rezeption unter anderem in Texten von Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Rudolf Kassner, Theodor Tagger und Eduard von Keyserling.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhaltsverzeichnis 5
Danksagung 9
I. Einführende Überlegungen 11
1. Kierkegaards Autorschaft und heterogenes Werk 11
2. Zur Geschichte der Kierkegaard-Rezeption 18
2.1 Ein Forschungsüberblick 19
2.2 Phasen der Kierkegaard-Rezeption in der deutschsprachigen Literatur 28
3. Zugänge der Rezeptionsforschung 38
3.1 Produktive Rezeption 38
3.2 Das Problem des ‚Verstehens‘ für eine literarische Rezeption 43
4. Systematisierungen des Materials 50
4.1 Begriffe und Kategorien der Rezeption 50
4.2 Typen der Rezeption nach Gérard Genette 56
4.3 Der eigene Versuch einer Systematisierung 58
II. Die Kierkegaard-Rezeption in der deutschsprachigen Literatur 63
1. Kulturkritisch: Der Brenner 63
1.1 Kierkegaard-Rezeption im Brenner 64
1.1.1 Werbung und eine emphatische Rezension 64
1.1.2 Die Kierkegaard-Übersetzungen und das Brenner-Jahrbuch 69
1.1.3 Ein Thema wird Programm 74
1.1.4 Strategische Kierkegaard-Rezeption 77
1.1.5 Kierkegaard als Korrektiv 82
1.2.1 Theodor Haeckers Kritik der Gegenwart 83
1.2.2 Die Veräußerlichung und das wahrhaft Religiöse bei Carl Dallago 89
1.2.3 Ferdinand Ebners Diagnose der Menschheit 95
1.3 Kontexte der Kulturkritik nach Kierkegaard 99
2. Religiös: Franz Werfel, Paul Adler 111
2.1 Franz Werfels literarische Aneignungen der religiösen Innerlichkeit Kierkegaards 113
2.1.1 Die Kierkegaard-Rezeption bei Franz Werfel 113
2.1.3 Werfels Blasphemie eines Irren 122
2.2 Ausdrucksformen der religiösen Innerlichkeit bei Paul Adler 128
2.2.1 Das Böse und das Göttliche in Adlers Nämlich 132
2.2.2 Wahnsinn und Innerlichkeit im Werk Kierkegaards und in "Nämlich" 140
2.2.3 Die Überwindung des Nihilismus 147
2.2.4 Wahnsinn und sokratische Methode 154
2.2.5 Die Erschaffung Gottes und die Resakralisierung der Welt 158
2.2.6 Ausblick auf die "Zauberflöte" als neuen Mythos 165
3. Essayistisch: Rudolf Kassner, Georg Lukács 171
3.1 Rudolf Kassners Essay über Kierkegaard 172
3.1.1 Die Methode des Kierkegaard-Essays 173
3.1.2 Die Poetisierung des Essays 181
3.2 Georg Lukács’ Essay über Kierkegaard 193
3.2.1 Die Form bei Lukács und bei Kassner 193
3.2.2 Der literarische Status des Essays 202
4. Psychologisch: Ernst Weiß, Jakob Wassermann, Stefan Zweig, Eduard v. Keyserling 209
4.1 Kierkegaard im psychologischen Diskurs 209
4.2 Kierkegaards Don Juan in der Galeere von Ernst Weiß 217
4.2.1 Die Figurenpsychologie in der "Galeere" 218
4.2.2 Das Entweder-Oder 228
4.3 Egoistische Figuren bei Jakob Wassermann 234
4.3.1 Der Verführer in "Die Masken Erwin Reiners" 236
4.3.2 Dämonischer Egoismus bei Wassermann und Weiß 247
4.4 Stefan Zweigs Novelle "Angst" 252
4.4.1 Dämonische Angst 253
4.4.2 Ein psychologisches Experiment 258
4.5 Ironische Brechungen bei Eduard von Keyserling 261
5. Existenziell: Rainer Maria Rilke, Ernst Bloch, Theodor Tagger 270
5.1 Rainer Maria Rilke und die Philosophie der Existenz 272
5.1.1 Philologische Befunde 272
5.1.2 Das Lied von den Lilien 277
5.1.3 "Malte Laurids Brigge" und die Philosophie der Existenz 282
5.1.4 Ausblick auf die "Duineser Elegien" 290
5.2 Kierkegaard und "Der Geist der Utopie" 294
5.2.1 Ernst Bloch als subjektiver Denker 295
5.2.2 Kierkegaard und die unkonstruierbare Frage 298
5.3 Theodor Taggers Literatur der Existenz 303
5.3.1 Der Erste Weltkrieg und Kierkegaards existenzieller Ernst 304
5.3.2 Das Ende der Psychologie 314
5.3.3 Antipsychologie und "Die Vollendung eines Herzens" 320
5.3.4 Möglichkeit und Notwendigkeit in der Erzählung "Auf der Straße" 324
6. Parabolisch: Franz Kafka 328
6.1 Kafkas explizite Kierkegaard-Rezeption 329
6.1.1 Forschungsüberblick 329
6.1.2 Kafkas Kierkegaard-Lektüren 333
6.1.3 Kierkegaard in den Tagebüchern und Briefen 337
6.2 Kafkas Schreibverfahren nach Kierkegaard 346
6.2.1 Existenzielle Fährten 347
6.2.2 Das Komische und das Absurde bei Kafka 355
6.2.3 Geheimniskrämerei im "Buch des Richters" und im "Proceß" 361
6.2.4 Hypothetisches Erzählen und die Struktur der Zeit 372
6.2.5 Parabolisches Schreiben bei Kafka und Kierkegaard 381
6.3 Kafkas Abraham-Variationen 390
III. Zusammenfassung und kleiner Ausblick 405
1. Zusammenfassende Thesen zur Kierkegaard-Rezeption 405
2. Die literarische Kierkegaard-Rezeption im Horizont moderner Religiosität 408
IV. Anhang: Literaturverzeichnis 413
1. Siglen-Verzeichnis 413
2. Übrige Kierkegaard-Literatur 415
3. Primärliteratur 416
4. Sekundärliteratur 421