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Aufbrüche der Ordnung, Anfänge der Phantastik

Ein Modell zur methodischen Balladenanalyse, entwickelt am Beispiel der phantastischen Kunstballade

Conrad, Maren

Beiträge zur neueren Literaturgeschichte [Dritte Folge], Bd. 323

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Während die Kunstballade im Deutschunterricht seit Jahrzehnten einen unverzichtbaren Themenschwerpunkt darstellt, findet sich in der literaturwissenschaftlichen Balladentheorie und -analyse seit 1980 eine zentrale Forschungslücke. Wegen ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Lyrik, Epik und Drama stellt die Kunstballade in der deutschen Literaturgeschichte einen ‚Problemfall‘ dar. Sie lässt sich als ein frühes Experimentierfeld begreifen, in dem erstmals – in Form einer ambivalenten Gattungshybridität – poetologische wie semiotisch-sprachliche Möglichkeiten für die Darstellung des Nichtdarstellbaren im Motivkomplex des Phantastischen verhandelt werden. Die vorliegende Studie leistet die Entwicklung eines exemplarischen Modells für eine methodisch strukturierte literaturwissenschaftliche Balladenanalyse und kombiniert diese Ergebnisse – im Rahmen der Analyse ausgewählter Balladentexte zwischen 1770 und 1800 – mit dem Nachweis eines literarischen Ursprungs der Phantastik in der Genese der Kunstballade.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhalt V
1 Einleitung 1
1.1 Zur Auswahl des Textkorpus 5
2 Die Kunstballade – Zum Forschungsstand 7
2.1 Zur „Kunst“ der Ballade: Anfänge ab 1770 8
2.2 Balladenforschung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts 14
2.3 Balladenforschung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts 17
2.4 Balladenforschung heute 22
3 Phantastikforschung und Ballade 25
3.1 Die phantastische Kunstballade 27
3.2 Originalität als zentrales Merkmal der phantastischen Kunstballade 30
3.3 Phantastische Textphänomene – Grundannahmen und Minimaldefinition 37
4 Gattungsfragen 43
4.1 Gattungsforschung und Kurzdefinition 44
4.2 Gattungshybridisierung als Symptom der Phantastik 47
4.3 Die Ballade als Hybridform und „Gattungszwitter“ 50
5 Herangehensweisen und Kategorien der Balladenanalyse 55
5.1 Die Diegese – Analyse des Realitätssystems 58
5.2 Die Heterotopie als Grenzraum 60
5.3 Begrenzung und Brechung: Die lyrische Form als äußerster formaler Rahmen 66
5.4 Normrepräsentation und Klassifikation: Der narrative Modus 68
5.5 Unmittelbarkeit und alternative Erzählinstanz. Der dramatische Modus 70
5.6 Modell zur Balladenanalyse: Die dreifache Rahmung des Phantastischen 73
5.7 Modell der Analyseebenen der phantastischen Kunstballade 75
6 Der Fischer – Johann Wolfgang von Goethe 77
6.1 Realitätssystem – Diegese, Ereignisstruktur, Raum- und Figurenkonstellation 81
6.2 Phantastischer Sprechakt und Zeichenambivalenz im Grenzraum 88
6.3 discours 1: Lyrik – Präsentation erster Ebene 92
6.4 discours 2: Epik – Präsentation zweiter Ebene 103
6.5 discours 3 – direkte Figurenrede und dramatischer Modus 115
6.6 Zusammenfassung zur Balladenanalyse von Der Fischer 122
7 Anwendung: Balladenanalysen 127
8 Adelstan und Röschen – Ludwig Christoph Heinrich Hölty 131
9 Lenore – Gottfried August Bürger 143
9.1 Die Erzählinstanz – Konservative Rahmung und traditionelle Exposition 151
9.2 Kernoppositionen - Makro- und mikrostrukturelle Systemkonflikte 155
9.3 Der Mutter-Tochter-Dialog 158
9.4 Formale Aufbrüche 173
9.5 Der Endzustand – Deutungsmöglichkeiten 198
9.6 Die Lenore im Literatursystem der Goethezeit 206
10 Die Braut von Corinth – Johann Wolfgang von Goethe 209
10.1 Die Ereignisstruktur 210
10.2 Die Korrelation von historischem und individuellem Systemkonflikt 212
10.3 discours 1 – Die lyrische Form 217
10.4 Die Relation von discours 2 und discours 3 221
10.5 Heterotopie und phantastische Zeichenambivalenz 225
10.6 Vampirismus und phantastische Liminalität 231
10.7 discours 2 vs. discours 3 – Sprache als Kontrollinstanz 237
10.8 Systemkonflikte – Zusammenfassung 242
11 Der Taucher – Friedrich Schiller 245
11.1 Das Meer als Grenze, Gegensystem und Leitmotiv im discours1 248
11.2 Autonomie und Heteronomie. Die Opposition von Sprechen und Blicken 251
11.3 Der Sprung als Ursache einer narrativen Leerstelle 253
11.4 Der Botenbericht Sanktionierung des autonomen phantastischen Sprechaktes 257
11.5 Literarische Selbstreferenz in Der Taucher 266
12 Schlussbetrachtungen und Ausblicke 269
12.1 Anfänge der Phantastik: Merkmale der phantastischen Kunstballade ab 1770 269
12.2 Konstitutive zeichentheoretische Merkmale der phantastischen Kunstballade 273
12.3 Aufbrüche der Ordnung: Die Kunstballade als eigenständige Gattung 279
12.4 Die phantastische Erzählung der Romantik 282
12.5 Die Ballade der Romantik 285
12.6 Vom Gattungshybrid zum hybriden Monster 289
13 Literatur- und Abkürzungsverzeichnis 293