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Grenzgänge zum Anorganischen bei Rilke und Celan

Günther, Friederike Felicitas

Beiträge zur neueren Literaturgeschichte [Dritte Folge], Bd. 372

2018

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Paul Celans Werk grenze an eine „Sprache des Leblosen“ (Th. W. Adorno), Rainer Maria Rilkes Lyrik feiere das Leben noch im Tod: Die literaturwissenschaftliche Forschung sieht bei den beiden Autoren wenig Gemeinsamkeiten. Die vorliegende Studie zeigt demgegenüber in textnahen Analysen exemplarischer Gedichte, dass sich Rilke und Celan in der Auseinandersetzung mit dem „Menschenfremdesten“ (H. Böhme) – dem Anorganischen – als einem Konvergenzpunkt ihrer Lyrik in größter Nähe zueinander bewegen. Rilkes Gedichte beschwören das Numinose nicht nur in der lebenden Natur, sondern auch im Felsgestein, das für das Gott zugewandte Ich zur existenziellen Bedrohung wird. Celans Gedichte wiederum vergegenwärtigen eine umfassende Totenlandschaft, der sich das sprechende Ich immer weiter annähert, reduziert auf seine kreatürliche Existenz. Beider Dichtung ist verbunden in der Frage: Wie ist der grundierenden Übermacht des Leblosen in menschlicher Sprache überhaupt zu begegnen?

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover Cover
Titel III
Impressum IV
Inhaltsverzeichnis V
I Einleitung 1
I.1 „Aufstoßen aufs Anorganische“ bei Rilke 8
I.2 Das Gedicht als steinernes Gegenwort bei Celan 21
I.3 Kunstmetaphysik versus Anthropologie des Steinernen 36
I.4 Das Tote als Menschenwerk 42
II Rilke: Anthropologie zum Tode hin 51
II.1 Grenzgänge zum Anorganischen 67
II.1.1 „Vielleicht, daß ich durch schwere Berge gehe“ (1903). Gott als Stein 67
II.1.2 „Der Gefangene“ (1906). Anpassung an die Zeit des Anorganischen 87
II.2 Grenzübertritte zum Anorganischen I: Kunst und Kosmos 105
II.2.1 „Der Einsame“ (1907). Erhabenes Kunst-Ding ohne Grauen 105
II.2.2 „Der Käferstein“ (1908). Verlust des Organischen im Anorganischen 133
II.3 Grenzübertritte zum Anorganischen II: Stein und Stern 153
II.3.1 „Heimkehr: wohin?“ (1914). Ein Herz aus Stein 153
II.3.2 „Einmal noch“ (1914). Strömendes Antlitz 181
II.4 Das Tote als Menschenwerk 203
II.4.1 „Cimetière à Flaach“ (1921). Steinerne Absolutheit des Todes 203
III Celan: Anthropologie vom Tode her 217
III.1 Bruch mit der Tradition poetischer Todesaffinität 225
III.1.1 „Am letzten Tor“ (1948). Abschied vom Herbst 225
III.1.2 „Der Stein aus dem Meer“ (1950). Abschied vom Herzen 249
III.2 Spielräume poetischen Sprechens in einer Totenlandschaft 269
III.2.1 „Flügelnacht“ (1954). Anorganische statt organischer Sprache 269
III.2.2 „Die Halde“ (1954). Regung des Menschlichen im Leblosen 291
III.2.3 „Schneebett“ (1957). Todesnähe als Nähe zum Toten 317
III.3 Hoffnungsschimmer? Helligkeit und Singbarkeit 351
III.3.1 „Die hellen Steine“ (1961). Unerträgliche Leichtigkeit des Steins 351
III.3.2 „Singbarer Rest“ (1964). Tödliche Schrift und Sprechrest 383
III.4 Die Tödlichkeit des Toten 405
III.4.1 „Wer schlug sich zu dir?“ (1967). Leere der Höhe 405
III.4.2 „Du gleissende“ (1969). Tödlichkeit und Sterblichkeit des Gedichts 415
IV Schlusswort 429
V Abkürzungen 435
VI Literaturverzeichnis 437
VII Namenregister 455
Dank 461
Backcover 462