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Die andere Gegenwart

Zeitliche Interventionen in neueren Generationserzählungen

Gisbertz, Anna-Katharina

Beiträge zur neueren Literaturgeschichte [Dritte Folge], Bd. 391

2019

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Generationserzählungen stellen die Geschichte im Fokus von Familiengeschichten dar, entwerfen Gegenwartsanalysen und Zukunftsvisionen. Um die Irritationen und Leerstellen im gegenwärtigen kulturellen Verhältnis zwischen den Generationen narrativ zu erfassen, kommt die Vergangenheit als fragiles Gebilde – einschließlich des Verschwiegenen und Vergessenen – zur Sprache. Die vorliegende Studie erkundet die Reflexion auf diese fragile Zeitform und ihre innovativen Erzählformate: Nach einem historischen Einblick in die Gattungstradition rücken die inkommensurablen Aspekte des Vergangenen im Modus der Nachträglichkeit, des Traumas, der Asynchronisierung und der Ausnahmezeit der Feier in den Blick. Damit eröffnen neuere Generationserzählungen die Möglichkeit zur Erkundung einer ‚anderen‘, dem Eindruck der Beschleunigung und fortlaufenden Wandlung gegenüber beharrlichen Gegenwart und ihrer literarischen Repräsentationen.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Umschlag Umschlag
Titel 3
Impressum 4
Inhalt 5
Einleitung 9
Generationserzählungen als Zeiterzählungen 12
Zum Forschungsstand der Generationserzählungen 17
Die „andere Gegenwart“ 25
Abgrenzung von der Generationsforschung 31
Vorgehen in der Arbeit 34
Kapitel 1: Geschichte und Bedeutung der Generationserzählung 37
Aufstiegs- und Verfallsgeschichten 38
Generationenromane von Gustav Freytag und Adalbert Stifter 43
Von der Idealisierung zum sozialkritischen Roman: Émile Zolas „Les Rougon-Macquart“ 49
Populäre Generationserzählungen im 20. Jahrhundert 52
Posthistoire? 57
Kapitel 2: Erzählen und Wiederholen 59
Traumafiktionen 59
Chaotische Muster in W.G. Sebalds „Austerlitz“ (2001) 62
Peter Handkes Zwischenreich: „Die Wiederholung“ (1986 68
Das Reich der Wiederkehr 70
Der Erzähler als ‚Wegmacher’ 73
Umschrift des Vergangenen 77
Ästhetik einer Zwischenzeitlichkeit 82
Fazit 84
Kapitel 3: Ungegenwärtiges erzählen 87
„Was ich nicht sehen kann, muß ich erfinden“. Marcel Beyers „Spione“ (2000) 88
Der Text als Haut 94
Jenny Erpenbecks Auslöschungsprosa „Aller Tage Abend“ (2012) 96
Serielle Katastrophen 99
Zauderrhythmus des Erzählens 102
Der Mauerfall als Trauma 105
In Dantes Unterwelt 107
Schreiben und Tanzen. Nino Haratischwilis „Das achte Leben (für Brilka)“ (2014) 113
Gespenster 117
Riskantes Schreiben 121
Gegenstrategie: Irene Disches „Großmama packt aus“ (2006) 122
Fazit 124
Kapitel 4: Synchrones und asynchrones Erzählen 127
Ein Tagtraum in Arno Geigers „Es geht uns gut“ (2005) 129
Im „Wartesaal der Möglichkeiten“: Zukunftssemantiken in drei Generationen 134
Kontinuität und Kontingenz 136
Erzählen im Präsens 140
Vergeblichkeit in Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ (2011) 143
Fazit 145
Kapitel 5: Nachträgliches Erzählen: die literarische Biographie 147
Sigmund Freuds Konzept der Nachträglichkeit 149
Präsenzeffekte 157
Stephan Wackwitz‘ „Ein unsichtbares Land“ (2003) 162
Uwe Timms „Am Beispiel meines Bruders“ (2003) 169
Anne Webers (Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch“ (2015) 174
Geschichten statt Schweigen 177
Fazit 180
Kapitel 6: Feste und Feiern: Prosa am Scheideweg 185
Scheiternde Familienfeiern 185
Der Alltag und das Fest 188
Das Fest und die Feier 192
Die Familienfeier als „contradictio in adiecto“ 194
Väter, Söhne – und Mütter: Ende des Patriarchats? 196
Uwe Tellkamps „Der Turm“ (2008) 201
Das totale Fest 207
John von Düffels „Houwelandt“ (2004) 209
Die Wiederkehr des Gleichen (noch einmal Ruge) 214
Fazit 220
Kapitel 7: Die „andere Gegenwart“ im kulturwissenschaftlichen Diskurs 225
Gegenwart als Beschleunigung 228
Breite Gegenwart 231
Nachleben, Nachhaltigkeit 234
Die nicht-erlebte Zeit 236
Schluss 238
Danksagung 242
Literaturverzeichnis 243
Rückumschlag 271