
BUCH
Ästhetisierung und ästhetische Erfahrung von Gewalt
Ein Untersuchung zu Senecas Tragödien
Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften, Neue Folge, 2. Reihe, Bd. 137
2014
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Bibliografische Daten
Abstract
In der frühen Kaiserzeit, in der selbst das Töten ästhetisch überformt ist, sind die Grenzen zwischen Kunst und Lebenswelt nur schwer zu ziehen. Welche poetischen Strategien muß ein Dichter einsetzen, um sein Kunstwerk in einem solchen Umfeld als ein Kunstwerk auszuweisen, und wie kann er dem Zuschauer die Sicherheit vermitteln, daß er ein Kunstwerk vor sich hat und das „Vergnügen am Schrecklichen“ legitim ist? Die Tragödien des Dichters, Philosophen und Politikers Seneca sind berühmt für ihre exzessiven Darstellungen physischer Gewalt. Sein Zugeständnis an die zeitgenössischen Sehgewohnheiten verbindet Seneca jedoch mit der Entfaltung eines Spektrums an Gewaltszenarien, die den Intellekt, die Imaginationskraft und die Souveränität des Zuschauers in einem hohen Maße herausfordern. Auf diese Weise wird es dem Zuschauer ermöglicht, die Betrachtung physischer Gewaltakte zu reflektieren, sich als Zuschauer seiner Rolle als Zuschauer bewußt zu werden und die fragile Grenze zwischen Bühnenraum und Wirklichkeit wieder herzustellen.
Inhaltsverzeichnis
Zwischenüberschrift | Seite | Aktion | Preis |
---|---|---|---|
Inhaltsverzeichnis | 9 | ||
Einleitung | 13 | ||
1 Gewalt und ihre Kontexte | 27 | ||
1.1 Vorüberlegungen zum Gewaltbegriff | 27 | ||
1.2 Gewalt bei Seneca – philosophische Prosaschriften | 32 | ||
1.2.1 Entstehungsbedingungen von Gewalt – zur stoischen Anthropologie | 34 | ||
1.2.2 Angemessenheit von Gewalt | 41 | ||
1.2.2.1 Selbstmord | 42 | ||
1.2.2.2 Gewalt im Amphitheater – öffentlich sichtbare Gewalt gegen Individuen | 45 | ||
2 Die Thematisierung von Gewalt in den Tragödien | 51 | ||
2.1 Gewalt im Mythos: Senecas Gewichtung der mythischenStoffe gegenüber der literarischen Tradition | 51 | ||
2.1.1 Troades | 52 | ||
2.1.2 Phaedra | 58 | ||
2.1.3 Thyestes | 60 | ||
2.2 Gewaltphänomene in den Tragödien. Vorüberlegungen zu ihrer Systematisierung | 64 | ||
2.3 Formen der Verursachung | 68 | ||
2.3.1 Entwicklungsgeschichtlich bedingte Gewalt | 69 | ||
2.3.2 Anstiftung von Gewalt | 76 | ||
2.3.2.1 Gewalt durch Leidenschaften – Phaedra und Medea | 77 | ||
2.3.2.2 Göttliches Wirken – Hercules Furens | 82 | ||
2.3.2.3 Gewalt durch Infektion – Thyestes | 85 | ||
2.3.2.4 Strukturbedingte Gewalt | 87 | ||
2.4 Formen der Sichtbarkeit | 88 | ||
2.5 Formen der Ausübung: Physische versus kulturelle Gewalt | 94 | ||
2.5.1 Überleben als Strafe – Medea | 96 | ||
2.5.2 Überleben als kulturell bedingte Notwendigkeit | 98 | ||
2.5.2.1 Oedipus | 99 | ||
2.5.2.2 Phoenissae | 102 | ||
2.5.2.3 Hercules Furens | 106 | ||
2.6 Formen der Ausübung: Psychische Gewalt | 110 | ||
2.6.1 Gewalt durch Schweigen | 110 | ||
2.6.2 Erzeugung von Erwartungsangst | 114 | ||
2.6.3 Unsichtbare Gewalt – Gewalt durch Umdeutung | 117 | ||
2.6.4 Das Opfer als (mutmaßlicher) Täter | 122 | ||
3 Produktions- und Rezeptionsbedingungen vonSenecas Tragödien | 129 | ||
3.1 Zur zeitgenössischen Aufführungspraxis und ihrenEntgrenzungstendenzen | 131 | ||
3.2 Zur antiken Wahrnehmungstheorie: Sehen und Hören | 137 | ||
3.3 Physisches und imaginatives Sehen – zur Bedeutung der phantasía | 141 | ||
3.4 Zur Aufführungsfrage | 160 | ||
4 Senecas implizite Poetologie | 167 | ||
4.1 Seneca über die Dichtung | 167 | ||
4.2 Kunsterfahrung – ästhetische Erfahrung – Alltagserfahrung | 172 | ||
4.3 Nähe und Distanz – zum „Vergnügen am Schrecklichen“ | 177 | ||
4.4 Wirkungstheoretische Überlegungen | 185 | ||
4.4.1 Die Rolle des Zuschauers | 185 | ||
4.4.2 Die Rolle des Zuschauers auf der Bühne – Zur Inszenierung wirkungspoetischer Reflexionen in den Tragödien | 189 | ||
4.4.2.1 Troades: Zuschauer und Spektakel | 190 | ||
4.4.2.2 Agamemnon: Distanz oder Nähe? | 193 | ||
4.4.2.3 Phaedra: Das Vergnügen am Schrecklichen wandelt sich in Entsetzen | 195 | ||
4.4.2.4 Oedipus: Zwischen Hören und Sehen | 198 | ||
5 Poetische Verfahren der Ästhetisierung von Gewalt | 207 | ||
5.1 Vorbemerkungen | 207 | ||
5.2 Verfahren der Evokation von Nähe und Distanz | 209 | ||
5.2.1 Szenenreportage | 211 | ||
5.2.2 Teichoskopie und Phantasmatoskopie | 213 | ||
5.2.3 Botenbericht | 215 | ||
5.3 Körperliche Verfahren | 218 | ||
5.3.1 Direkte Präsentation physischer Gewalt | 218 | ||
5.3.1.1 Medea | 219 | ||
5.3.1.2 Oedipus | 223 | ||
5.3.1.3 Phaedra | 227 | ||
5.3.2 Indirekte Präsentation physischer Gewalt | 232 | ||
5.3.2.1 Hercules Furens | 232 | ||
5.3.2.2 Agamemnon | 234 | ||
5.3.2.3 Thyestes | 235 | ||
5.4 Sprachliche Verfahren | 236 | ||
5.4.1 Ausgestaltung durch verbale Bilderzeugung | 237 | ||
5.4.2 Verknappung | 239 | ||
5.5 Dramatische Verfahren | 242 | ||
5.5.1 Agamemnon | 243 | ||
5.5.2 Hercules Furens | 245 | ||
5.5.3 Phaedra | 249 | ||
5.6 Gewalt durch Sprache | 257 | ||
5.6.1 Sprache als Entwaffnung | 258 | ||
5.6.2 Gewalt durch Umdeutung | 259 | ||
5.6.2.1 Agamemnon | 259 | ||
5.6.2.2 Troades | 263 | ||
5.6.3 Gewalt durch Schweigen | 264 | ||
5.6.3.1 Phaedra | 264 | ||
5.6.3.2 Thyestes | 266 | ||
5.6.3.3 Troades | 268 | ||
Fazit | 271 | ||
Literaturverzeichnis | 273 | ||
Index | 301 |