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Artificia mali

Das Böse als Kunstwerk in Senecas Rachetragödien

Winter, Kathrin

Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften, Neue Folge, 2. Reihe, Bd. 145

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Die Frage nach der Darstellbarkeit dessen, was sich in seiner Maßlosigkeit und Monstrosität jeder Darstellung zu widersetzen scheint, zieht sich unablässig durch Senecas Rachetragödien. Wenn dort grausige Morde penibel inszeniert werden und sich entsetzte und doch faszinierte Blicke von den unsäglichen Geschehnissen nicht lösen können, dann drängt die Gestaltung der bösen Taten deutlich in den Vordergrund und lässt deren Form zum Thema werden. Mit der Planung und Durchführung der Rache zeigen die Stücke zugleich die Genese und Vollendung eines ingeniös-bösen Kunstwerkes. Das vorliegende Buch untersucht, nach welchen Prinzipien die Erscheinungsformen des Bösen so wirkmächtig und treffend gestaltet werden: Im Spannungsfeld von Ordnung und Raserei, von Grenze und Maßlosigkeit, von Altem und Neuem erschaffen die Rächer Werke, die produktiv, fruchtbar und zugleich inhärent zerstörerisch sind. Dabei erweist sich vor allem das Paradoxe als ein Grundprinzip der Tragödie und als ein Mittel der Darstellung des Bösen.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhaltsverzeichnis 7
1 Einleitung 9
1.1 Themenstellung 9
1.2 Zur Forschungssituation 12
1.3 Zur kulturgeschichtlichen Einordnung und Struktur der Rache 20
1.4 Zum Begriff des Metadramas 34
1.5 Zur vorliegenden Arbeit 38
2 Atreus artifex 41
2.1 ordo und furor – die Entwicklung des Verbrechens 42
2.2 Die Prinzipien von Atreus’ Verbrechen 57
2.2.1 Die Wiederholung 57
2.2.2 Die Steigerung 59
2.2.3 Das Paradoxe 62
3 Medea malorum machinatrix 69
3.1 Die Entwicklung des Verbrechens 69
3.2 Parenthese: Das Motiv des parere 78
3.3 Die Geburt der Rache 86
3.4 Die Prinzipien von Medeas Verbrechen 97
3.4.1 Die Wiederholung 97
3.4.2 Die Symmetrie 103
3.4.3 Die Steigerung 111
4 Libet videre – Mechanismen des Zusehens 115
4.1 Atreus 118
4.2 Thyestes 124
4.2.1 Licht und Dunkelheit 126
4.2.2 dolor und voluptas 130
4.2.3 Thyestes’ Spiegel 136
4.3 Medea und Iason 142
4.4 Der Bote im Thyestes 152
4.4.1 Der Opfer- und der Täterblick des Boten 153
4.4.2 Die Ekphrasis und der Kindermord 156
4.5 Das Zusehen im Rachesystem und im Drama 169
5 Das Böse und die Kunst 181
5.1 mora und Rache 181
5.2 Maß und Unmaß 195
5.2.1 Medea 195
5.2.2 Thyestes 215
5.3 Die Wiederholung und das Neue 226
5.4 Das Paradox und der Effekt 244
5.4.1 Thyestes 246
5.4.2 Tantalus und seine proles 249
5.4.3 Zerstörung und Produktivität im Paradoxon 258
5.4.4 Paradoxien als Elemente der Tragödie 265
5.4.5 Das Paradoxe als Ausdrucksform in der Darstellung des Bösen 269
6 Schluss 277
7 Ausblick: Zu einer ideengeschichtlichen Genealogie der Darstellung des Bösen 283
Literaturverzeichnis 313
Index 335