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Enigmatik – Das Rätsel als hermeneutische Grenzfigur in Mythos, Philosophie und Literatur

Antike – Frühe Neuzeit – Moderne

Wohlleben, Doren

Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften, Neue Folge, 2. Reihe, Bd. 146

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Wo, wann und wie wird das Rätsel eingesetzt, um Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen menschlichen Verstehens zu reflektieren? Nach einer Revision der im 20. Jahrhundert überwiegend ludistisch-lösungsorientierten Ansätze ist das Rätsel hier als eine hermeneutische Grenzfigur konzipiert, die am Anfang philosophischer und poetologischer Standortbestimmungen steht. Auf der Basis gattungsübergreifender Einzelanalysen antiker, frühneuzeitlicher und moderner Texte, die über die Rätselfiguren Sphinx und Turandot aufeinander bezogen sind, wird eine funktional ausdifferenzierte Typologie des Rätsels entwickelt. Sie vermittelt vor dem Horizont einer existentiellen Hermeneutik zwischen Bewegungen der Auflösung sowie der Erlösung und verweist auf die Notwendigkeit alternativer, literaturwissenschaftlicher Deutungsmodelle. Letztere basieren nicht auf der Lösung, sondern auf dem Rat des Rätsels, der sich im literarischen Dialog der Zeiten und Kulturen stets neu und anders bewährt.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Danksagung 5
Inhaltsverzeichnis 7
Vorüberlegungen Das Rätsel als hermeneutische Grenzfigur. Literatur(-theorie) und Rätsel 11
I Rätsel und Anfang: Das Rätsel als Urzeichen der Antike 31
I.1 Rigveda (1500-1000): Rätsellieder und Schöpfungsakte 31
I.2 Heraklits Logos als Rätselwort 42
I.3 Das Rätsel als Strukturprinzip in Sophokles’ König Ödipus (429-425) 54
I.4 Zusammenfassung und Ausblick: Funktionen des Rätsels 70
A Figur und Figuration des Rätsels. Erster Teil: SPHINX 99
II Rätsel und obscuritas: Das Rätsel als aufklärerische Dunkelstelle 127
II.1 aenigmatica scientia (Nikolaus von Kues): Rätsel-Bilder-Wissenschaft 128
II.2 Rhetorik, Pragmatik und Ästhetik des Rätsels in der Frühen Neuzeit 133
II.3 Zwischen obscuritas (Dunkelheit) und curiositas (Neugierde): Mythenallegoresen in Giovanni Boccaccios Genealogie deorum gentilium (1350-67) und Francis Bacons De sapientia veterum (1609) 148
II.4 Zum Rat des Rätsels: Moses Mendelssohns Reaktion auf den„Wahrheitsforscher“ in seiner Jerusalem-Schrift (1783) und die verlorenen Wahrheitsmünzen in Gotthold Ephraim Lessings Nathan derWeise (1779) 165
B Figur und Figuration des Rätsels. Zweiter Teil: TURANDOT 181
III Rätsel und Antlitz: Das Rätsel als Erlösungsphantasma der Moderne 219
III.1 Das Gesicht als Rätsel – Rätsel als Gesichte bei Friedrich Nietzsche und Franz Rosenzweig 221
III.2 Die Suche nach dem verlorenen Gesicht in Hermann Brochs Roman Die Schlafwandler (1931/32) 236
III.3 Zur Glut der Gesichte in Leo Perutz' Roman Der Meister des Jüngsten Tages (1923) 261
III.4 Das zweite Gesicht: Glühende Rätsel und lyrische Schattenworte bei Nelly Sachs 276
Schlussüberlegungen: Enigmatik Vorschläge für eine enigmatische Methode der Literaturwissenschaft 301
Literaturverzeichnis 307
Bildnachweise 329
Namenregister 331