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Ruinenlandschaften

Spielräume der Einbildungskraft in Reiseliteratur und bildkünstlerischen Werken über Italien im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Baum, Constanze

Germanisch-Romanische Monatsschrift. Beihefte, Bd. 51

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Kann man die Wahrnehmungsgeschichte der Ruinen in Italien und deren ästhetische Bedeutung im Wechselspiel von Imagination und Evidenz darstellen? Dieser Aufgabe stellt sich die Studie und bindet dabei sowohl Zeugnisse der europäischen Reiseliteratur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts als auch bildkünstlerische Werke in ihre Überlegungen ein. Entlang von Fallstudien, die sich prominenten römisch-antiken Ruinenlandschaften in Italien widmen, wird das Panorama möglicher Wahrnehmungen aufgedeckt. Die Befunde bestätigen Diderots Diktum von den an der Ruine wirkenden Spielräumen der Einbildungskraft: Die Ruine verkörpert für das 18. Jahrhundert einen Schwebezustand zwischen Bedeutungen und Zeiten. Ihre Wahrnehmung unterliegt – eingespannt in die Diskurse von Schönheit und Erhabenheit, Augenblick und Dauer – einem komplexen Transformationsprozess, der weit über emblematische und ikonische Festschreibungen von Vergänglichkeit und Sentimentalem hinausreicht.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Vorwort VII
Inhalt IX
Erster Teil: Fundamente 1
1 ›Ruinen des Augenblicks‹ und ›Ruinen der Dauer‹. Das Erdbeben von Lissabon und der Ruinendiskurs 1
1.1 Ruinenästhetik und das Erdbeben von Lissabon 1
1.2 Der Augenblick in der Geschichte: Der Ruinendiskurs im Jahr 1755 8
1.3 ›Ruinen des Augenblicks‹ und ›Ruinen der Dauer‹ 12
1.4 Lissabon als Ruine. Die Darstellung des katastrophalen Augenblicks 14
1.5 Le Bas’ Sonderweg: ›Schöne Trümmer‹ 18
2 Ruinenlandschaften 25
2.1 Im Dialog mit der Ruine 25
2.2 Ruine – Reliquie – Überrest – Spur – Trümmer 33
2.3 »…Albanos Auge [war] nach der schönsten Ruine der Zeit – wenn man die Erde selber ausnimmt –, nach Italien gerichtet« 38
3 Landschaftswahrnehmung 43
3.1 Reiseliteratur und Ruinenlandschaften 43
3.2 Eine Philosophie der Landschaft 49
3.3 Ruinenästhetik: Fortgesetzte Betrachtungen 55
3.3.1 »Die jetzige Aussicht der zertrümmerten Gebäude ist gross und malerisch« 62
3.3.2 »all magnificence is lost« – Die Ruinierung der Ruine und die Schönheit der Trümmer 68
3.4 Landschaft mit Buch und Ruinen oder Wer nichts weiß, sieht auch nichts 72
4 Exkurs: Augenblicke in der Landschaft. Eine Federzeichnung Burys und das Claude­-Glas 81
5 Ruinenlandschaften in der bildenden Kunst 103
5.1 Prolegomena zu einer Topographie der Ruinen 103
5.2 Vedute capricciose: Einige Beobachtungen zur Genese von Ruinenbildern zwischen Erfinung und Authentizität 112
5.3 Bausteine zu einer Geschichte der Ruinendarstellung 119
5.3.1 Das Buch der Wahrheit – die Ruinen Claude Lorrains 120
5.3.2 Roma ruinans – Ruinenprojekte der Neuzeit 123
5.3.3 Ruinen als Architekturprojekte zwischen papierner Phantasie und Baustelle 132
5.3.4 Der Petersdom als Ruine? Maarten van Heemskerck ruiniert Rom 137
5.3.5 Dignität der Ruine: Piranesi feiert Roms Ruinen 146
5.4 Patinierungen 148
5.4.1 Bildverwitterung bei Piranesi 148
5.4.2 Textverwitterung bei Goethe 151
5.4.3 Renaturierung: Bewuchs als Protagonist der Ruinenwahrnehmung 155
6 Ruinenästhetik im 18. Jahrhundert 163
6.1 Diderots ›Poetik der Ruinen‹ 163
6.2 »Il faut ruiner un palais pour en faire un objet d’intérêt.« 170
6.3 Hirschfelds Theorie der Gartenkunst oder Anleitung, wie man (k)eine Ruine baut. 172
6.4 Das verkehrte Kolosseum – eine selbstgemachte Ruinierung 174
Zweiter Teil: Fallstudien 183
7 Das Amphitheater von Verona als Palimpsest 183
7.1 Stimmengewirr auf dem Theater 183
7.2 Die Arena di Verona als Neubauruine 193
7.3 Heinrich Heine in Verona 195
7.3.1 Annäherungen an die Stadt und das Amphitheater 195
7.3.2 »Tolle Trümmer« – Blick zurück in die Geschichte 198
7.3.3 Ruine als Schrift – sprechende Trümmer 199
7.3.4 Heines Antike 199
7.3.5 Produktive Schrumpfungen 200
7.3.6 Die antike Ruine als Bühne träumerischer Anverwandlung 202
7.4 Johann Wolfgang Goethe und die erste antike Ruine in Italien 204
7.4.1 Anfahrt auf Verona 204
7.4.2 Blick vom Kraterrand 205
7.5 Karl Philipp Moritz und der tiefe Trichter der Einbildungskraft 207
7.6 »Silence reigned undisturbed the awful ruins« – William Beckford in der Arena 209
8 Roms ruinierte Rotonden 213
8.1 »… ruin, ruin, ruin, all about it« – Rom als Ruinenlandschaft 213
8.2 Das Pantheon als Ruine 223
8.3 Prächtige Verwüstung – die römische Ruine bei Nacht 233
8.4 Seitenblicke auf das Pantheon 236
8.5 »Being forlorn and dismal« – ein missglückter Pantheonbesuch 239
8.6 Aufs Dach gestiegen – Ardinghellos Pantheon­Erlebnis 241
8.7 ›Aqua alta‹ – Das Pantheon und die Flutkatastrophe 1805 245
9 Pompejis ›Ruinen des Augenblicks‹ 249
9.1 Pompejanische Tagträume 255
9.2 Im Bann der Isis: Rekonstruktive Phantasie in der "Voyage Pittoresque" 261
9.3 Ruinierte ›rêverie‹ und gemischte Gefühle 264
9.4 »Ghostly ruins« 269
9.5 Pittoreskes Pompeji? 270
9.6 Moritz fehlt der Nebel der Vorzeit, Goethe die Größe 275
10 »... tenet nunc Parthenope« – Vergils Grab 283
10.1 Ruinenreliquie – Ein Lorbeerzweig für Friedrich den Großen 289
10.2 Das Grab des Vergil als Motiv in der Reiseliteratur vor 1755 303
10.3 Nach 1755: ›postwilhelminische‹ Vergilgrabbesucher 310
10.4 Die Wandelbarkeit der Ruine – Bilder vom Vergil­Grab 323
11 Ruinenwahrnehmung – Ruinenlandschaften 327
12 Literaturverzeichnis 335
12.1 Quellen 335
12.2 Forschungsliteratur 340
Abbildungsnachweise 353
Register 359