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»... im Gegensatz erst fühlt es sich nothwendig«. Deutsch-französische Feindbilder (1807–1930)

Ziethen, Sanne

Germanisch-Romanische Monatsschrift. Beihefte, Bd. 57

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Im „Gegensatz erst fühlt es sich nothwendig“, so Nietzsche 1889 über die Selbstdefinition des Deutschen Reichs. Das Geflecht von Selbstpositionierungen und Fremdzuschreibungen der problematischen deutsch-französischen Beziehung offenzulegen ist Ziel der Studie. Auf breiter Materialbasis analysiert sie mit multiperspektivischem Blick die Periode von der Hegemonialpolitik Napoleon I. bis zur Vorphase des Zweiten Weltkriegs. Inwieweit war die intellektuelle Elite beider Länder in den Prozess der Feindbildentwicklung eingebunden? Welche kulturellen, politischen und außerwissenschaftlichen Ziele werden verfolgt? Anhand einander gegenübergestellter Textpaare von Fichte-Renan / Barrès-Stoiber / Barrès-Bertram zeigt die Untersuchung Formen des Erinnerns, Verdrängens und Vergessens im Umgang mit eigener und fremder Vergangenheit auf. Damit trägt sie zum historischen Verständnis der westeuropäischen Integration ebenso bei wie sie wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Europäistik setzt.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
COVER C
INHALT 7
I ERINNERN UND VERGESSEN – AUF DEM WEG ZU EINEM DIALOGISCHEN GEDÄCHTNIS? 11
1 Kulturkomparatistischer Forschungsansatz 14
2 Textkorpus und Kristallisationsphasen 16
II THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN UND PRÄMISSEN 35
1 Massentheorien, kollektives und kulturelles Gedächtnis 35
2 Alterität: Wahrnehmung und Verarbeitung 40
3 Nationsbildung und kollektive Identität 46
4 Feindbilder: Vehikel, Akteure, Instrumente 52
5 Nation zwischen Sakralisierung und Wiederauferstehung 54
III 1808-1882: SPRACHNATION UND KULTURNATION. JOHANN GOTTLIEB FICHTE UND ERNEST RENAN 57
1 Deutsche Ideologiebildung nach 1807: „Am Anfang war Napoleon“ 57
1.1 Reden an die deutsche Nation: Fichtes Erziehung zur Nation 58
Die „Täuschung der Selbstsucht“ 60
Ursprungsmythos und Zukunftsideal 64
Deutscher und französischer „Geist“ 67
Erziehung zur Nation 72
Ambivalenz der Rezeption 74
1.2 Vom Halbgott zum Erzfeind 76
2 Frankreich und die ‚deux Allemagnes‘: De Staël, Saint-Victor und Renan 83
2.1 Französische ‚teutomanie‘: von de Staël zu den Warnungen Quinets 83
2.2 Marianne und Madonna: Patriotismus in der Republik 102
2.3 Wandel des nationalen Selbstverständnisses: Spiritualisierung, Sakralisierung und Regeneration 112
2.4 Barbares et Bandits: Saint-Victor „heiliger Hass“ auf die Angreifer Frankreichs 118
Feuilletonist im Geiste der Monarchie 118
„Barbaren“ aus Deutschland 121
„Banditen“: Verräter des Vaterlandes 129
Hass als Impfmittel 130
2.5 Elemente der inneren Spaltung: ‚deux Allemagnes‘ und ‚deux France‘ 134
2.6 Ernest Renan: Ein Intellektueller und der Deutsch-Französische Krieg 142
Aufsätze und politisches Engagement 142
Qu’est-ce qu’une nation? 147
IV 1871-1913: NATION ALS RELIGION UND WISSENSCHAFT. MAURICE BARRÈS UND GEORG STOIBER 159
1 Frankreich um die Jahrhundertwende: Von der Revanche zur ‚union sacrée‘ 159
1.1 Latinismus, Rassen- und Massentheorien, Dekadenz 159
1.2 Der Verlust Elsass-Lothringens 176
1.3 Colette Baudoche: Barrès’ Roman als „Schutzwall im Osten“ 179
Maurice Barrès: Schriftsteller und politisches Engagement 179
Metz und das Idyll des ländlichen Lebens 185
Zivilisation und Perfektion 189
Frauen als Dienerinnen der Tradition 193
Die Natur als ‚faiseuse d’hommes‘ 195
‚haut lieux de spiritualité‘ 196
Religion, Rasse und Frankreich als Religion 197
Transfiguration und ‚l’amour sacrifié‘ 204
‚terre et morts‘ und der spirituelle Weg der Protagonisten 207
Rezeption in Frankreich 209
1.4 Revanche der jüngeren Generation: Ligen und ‚renouveau catholique‘ 212
2 Nationalisierung der Wissenschaften vom Deutschen: „Mandarine“ und „Syntheseformeln“ 219
2.1 „Deutschkunde“: Erziehung „durchs Volkstum, zum Volkstum“ 219
2.2 Reformen zur Wahrung des Bestehenden 228
2.3 Goethe als kulturnationale Syntheseformel 234
2.4 Krisenempfinden in Wissenschaft und Populärkultur 247
2.5 La France dort: Stoibers Kosmopolitismus im Zeichen deutscher Übersetzung 260
V 1919-1930: GÉNIE UND GENIUS. MAURICE BARRÈS UND ERNST BERTRAM 275
1 Einheitsbeschwörung und Sendungsbewusstsein: ‚union sacrée‘ und ‚pénétration pacifique‘ 275
1.1 Kriegsausbruch und Einheitsgefühl 275
1.2 Geistige Mobilmachung der Schriftsteller 279
1.3 Katholischer Patriotismus in der Republik Sacré-Cœur und Jeanne d' Arc 287
1.4 Rheingrenze als ‚union sacrée‘ 308
1.5 Französische Kulturpolitik im Rheinland 315
1.6 Le Génie du Rhin: Maurice Barrèsx01 kulturpolitische Entwürfe 320
Politisches Engagement als Schriftsteller 320
Die Vorlesungsreihe als nationale Predigt 328
Ausgangslage 330
Denken – Fühlen – Wollen: Gliederung der Vorlesungen 332
Geschichte und Erde 333
Sage und Mystik 335
Kulturgedächtnis des Rheins und Volkskunde 339
Kulturpolitische Handlungsanweisungen 342
2 Wissenschaft und deutsches Wesen: „geistige Größe“ und „Waffenschmiede" 351
2.1 Der Kampf um die Zugehörigkeit des Rheinlandes 351
2.2 Rheingenius und Génie du Rhin: Bertrams „rheinisch-deutsche Tatsachen" 365
Ernst Bertram: Leben und Werk 366
Zur Schwierigkeit der unvoreingenommenen Beurteilung 369
Ironie und Häme als rhetorische Mittel 370
Korrekturen des „Zweckschwindels“ 372
Barrès als Stellvertreter des französischen Nationalismus 381
Deutsch-rheinischer Nationalismus: das „Wächtertum des Rheingenius“ 384
Ablösung vom geistigen Vorbild Frankreich 389
Rezeption 393
2.3 Republik und Wissenschaft im „Geist von Weimar“ 396
2.4 Kulturkunde, Wesenskunde und Volkskunde: Romanistik als „Waffenschmiede" der Nation 412
2.5 Kurzer Ausblick auf Kontinuität und Diskontinuität in der Wissenschaftslandschaft 438
VI ‚HISTOIRE CROISEE‘ UND ‚EUROPÄISTIK‘ 443
VII LITERATURVERZEICHNIS 447
DANK 495