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Wissen im Umbruch

Zur Inszenierung von Wissensdiskursen in der Dichtung Ausiàs Marchs

Müller, Isabel

Germanisch-Romanische Monatsschrift. Beihefte, Bd. 61

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Die sozialen und kulturellen Umwälzungen, die Europa im ausgehenden Mittelalter erfährt, führen einerseits zu einer Vermehrung und Ausdifferenzierung der Wissensbestände, andererseits zu einer Popularisierung des Wissens. Die vorliegende Studie untersucht, auf welche Weise der katalanische Dichter Ausiàs March (1400–1459) die epistemischen Umbrüche seiner Zeit reflektiert und literarisch verarbeitet. Anhand ausgewählter Gedichtanalysen wird aufgezeigt, welche Spannungsmomente sich durch das Nebeneinander heterogener und zum Teil konkurrierender Wissensdiskurse (der Medizin, der Ethik, der Theologie) für seine Lyrik ergeben. Zugleich wird nachgewiesen, daß die Einbeziehung des diskursiven Kontextes nicht nur zur Erhellung einzelner Gedichte beiträgt, sondern auch einen Schlüssel für das Verständnis des Werks als Ganzem darstellt: der bei March in unterschiedlichen Facetten inszenierte Konflikt zwischen Norm und Affekt konstituiert sich wesentlich über den Rekurs auf Wissensdiskurse.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Danksagung 7
Inhaltverzeichnis 9
1 Einleitung 11
2 Vorbemerkungen zu Autor und Werk 19
2.1 Daten zur Biographie 19
2.2 Der Dichter und seine Leser 24
2.3 Das corpus marqui 29
2.3.1 Text- und Rezeptionsgeschichte 29
2.3.2 Theorien zur Anordnung der Gedichte 33
2.3.3 Das ‚Ich‘ der Gedichte Marchs 39
3 Wissen 45
3.1 Die mittelalterliche Konzeption von Wissen 45
3.2 Wissen in der Krone von Aragon des 15. Jahrhunderts 56
3.2.1 Zur Verbreitung von Wissen im Spätmittelalter 56
3.2.2 Die Vermehrung und Popularisierung des Wissens im Spiegel zeitgenössischer Quellen 61
3.3 Wissen und Erkenntnis im Werk Ausiàs Marchs: das Gedicht CXIII 68
3.3.1 ‚La vida·s breu e l’art se mostra longa 69
3.3.2 Gedichtaufbau, Dynamik und Sprecherhaltung 73
3.3.3 ‚L’ignorança per falta de natura 76
3.3.4 ‚L’ignorança per nostra negligença 78
3.3.5 ‚saber‘ vs. ‚fe 83
3.3.6 Die Tornada: Probleme der Textüberlieferung und ihre Konsequenzen für die Interpretation des Gedichtschlusses 85
3.4 Conclusio 87
4 Liebe 91
4.1 Marchs Liebes- und Dichtungskonzeption in ihrem literaturgeschichtlichen Kontext 91
4.2 Liebestheorie 102
4.3 Die Frau als animal imperfectum 110
4.3.1 Die Frau als animal imperfectum – die Regel und ihre Ausnahmen 110
4.3.2 Der desengany amorós: das Gedicht LXXI 118
4.4 Liebe als Krankheit 127
4.4.1 Medizinisches Wissen 127
4.4.1.1 Medizinische Vergleiche 128
4.4.1.2 Die galenische Humoralpathologie: das Gedicht XI 135
4.4.2 Die Liebeskrankheit 141
4.4.2.1 Die Geschichte eines literarischen Motivs und eines medizinischen Konzepts 141
4.4.2.2 Liebe als Pathologie: amor hereos 148
4.4.2.3 Der amor hereos-Diskurs in Gedicht XIII 163
4.5 Liebe als Habitus 171
4.5.1 Die aristotelische Habitus-Lehre und Marchs hàbit d’amor 171
4.5.2 Von den Schwierigkeiten, den Liebes-Habitus aufzugeben: das Gedicht CXXI 176
4.6 Conclusio 183
5 Tod 185
5.1 Todesdiskurse im Mittelalter 185
5.2 Vom rechten Sterben: thanatologische Reflexionen bei March 194
5.3 Trost in der Stunde des Todes: das Gedicht CVII 205
5.4 Der Tod der Geliebten 213
5.4.1 Die cants de mort – Tradition und Innovation 213
5.4.2 Die Furcht vor der ewigen Verdammnis: das Gedicht XCVI 225
5.5 Die Sorge um das eigene Seelenheil: das Gedicht CV (cant espiritual 237
5.5.1 Zerknirschung und Zweifel 237
5.5.2 Die Schwäche der menschlichen Natur 244
5.5.3 Gnade und Prädestination 252
5.6 Conclusio 256
6 Schlußbetrachtung 259
7 Anhang: Text und Übersetzung 267
7.1 Gedicht CXIII 267
7.2 Gedicht CV 276
8 Literaturverzeichnis 285
8.1 Werkausgaben March 285
8.2 Anthologien und Übersetzungen 285
8.3 Nachschlagewerke 286
8.4 Primärliteratur 286
8.5 Sekundärliteratur 290