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Pathische Ästhetik

Ludwig Klages und die Urgeschichte der Postmoderne

Preußer, Heinz-Peter

Neue Bremer Beiträge, Bd. 17

2015

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Das Adjektiv ‚pathisch‘ erwähnen ältere Nachschlagewerke noch mit einem Hinweis auf Ludwig Klages. Es meint ein rezeptives Selbst, das ohne eigene Aktivität schauend, erlebend, ‚leidend‘ an ein Artefakt oder ein Bild der Lebenswelt hingegeben ist. Das ‚wirkliche Erlebnis‘ gehört zu den transitiven Lebensvorgängen und setzt das Selbst von der Subjektstelle an diejenige des Objekts: Die Gemütsbewegung widerfährt, das Ich fällt dem lebendigen Geschehen anheim. Von dieser vitalistischen Definition ausgehend, fragt das vorliegende Buch nach dem Wandel und der Konstanz in den Theorien der Wahrnehmung, in der Kritik des Logozentrismus und derjenigen des Subjekts bis zu den Autoren des Poststrukturalismus, hier vor allem Jacques Derrida und Michel Foucault, Roland Barthes und Paul Virilio. Die ‚Pathische Ästhetik‘ will damit an den Anfang einer ‚Urgeschichte der Postmoderne‘ zurück verwiesen. Sie geht aus von der Geistkritik der späten Lebensphilosophie, denn der Terminus ist durch Ludwig Klages vorgegeben. Der Begriff beansprucht demnach, den Zeitraum eines Jahrhunderts abzudecken. Er historisiert den Theorierahmen des Poststrukturalismus und die Epoche der Postmoderne von deren Ende her – und entwickelt darin kritische Bezüge, die selten so gesehen wurden. Pathiker sind demnach nicht Treibende, sondern Getriebene: Gegenfiguren zu allen Tatheroen seit der Antike. Willenlos überlassen sie sich dem Spiel ihrer Einfälle und trotzen darin den Machern und Handelnden, deren Dasein im Wollen aufzugehen scheint. Der Pathiker steht auf der Seite des Vitalen, Wesensnotwendigen, während der Tatmensch eigenmächtig Akte vollbringt, mit denen er die Wirklichkeit und nach deren Auffassungsgabe die Welt fragmentiert und im Erkennen auf den Begriff bringt. Das ist ein radikaler Dualismus, dem jede Form der Vermittlung und Versöhnung fremd bleibt. Über lange Zeit ist darum die ‚Pathische Ästhetik‘ einer der wirkmächtigsten Gegendiskurse zum modernen Subjektverständnis gewesen.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhalt V
1. URGESCHICHTE DER POSTMODERNE 9
1.1 Das Ende des Subjekts in der Pluralität der Modernen - Drei Einleitungen über Zeit, Postmoderne und über Klages 9
1.2 Epochenkonstruktion und Gegenrede - Zur Archäologie Michel Foucaults 29
1.3 Eine kurze Theorie des Ähnlichen - Cassirer – Klages – Foucault: mit einem Rekurs auf Kant 49
1.4 Logozentrismus und Sinn. Indikatoren eines Paradigmenwechsels: Ludwig Klages — Jacques Derrida — George Steiner 63
2. DIE KOSMIKER 81
2.1 Ein Neuromantiker als Ästhetizist - Über den Dichter Ludwig Klages 81
2.2 „ich selbst aber bin das süsse Zwielicht...“ - Maternale Kosmogonien und die Fantasie des ungeteilten Geschlechts bei Alfred Schuler 111
2.3 Antijudaismus oder Antisemitismus? Zur Fundamentalkritik der Kosmiker an den monotheistischen Religionen 126
3. THEORIE DES PATHISCHEN 143
3.1 Pathische Ästhetik - Eine lebensphilosophische Bildtheorie im 20. Jahrhundert 143
3.2 Pathiker und Täter – Ludwig Klages liest Stefan George und Johann Wolfgang von Goethe 160
3.3 Die Masken des Ludwig Klages - Figurenkonstellation als Kritik und Adaption befremdlicher Ideen in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" 185
3.4 Die Wirklichkeit der Bilder - Peter Handkes leuchtender Alltag 209
4. FIGUREN DER PATHIK 225
4.1 Die „reine Himmelsmaid“ - Carl Spittelers inverse Mythenkorrektur: Pandora, Prometheus und Epimetheus 227
4.2 „dieses Äußerste von Kleinmut und Kraftlosigkeit“ - Hugo von Hofmannsthals Lord Chandos und sein Wachtmeister Anton Lerch 241
4.3 „vom Liegestuhl aus die Aussicht genießen“ - Hans Castorp und Hermine Overbeck-Rothe auf dem "Zauberberg" 275
ANHANG 301
Quellennachweis 301
Literaturverzeichnis 303
1.1 – Philologie, Primärliteratur 303
1.2 – Philologie, Sekundärliteratur und Sprachtheorie 306
2.1 – Philosophie, Primärliteratur 319
2.2 – Philosophie, Sekundärliteratur 325
3. – Sonstige wissenschaftliche Literatur 330
Siglenschlüssel 334
Personenregister 336