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Zum Beispiel

Beispielverwendung in der verbalen Interaktion

Rettig, Heike

OraLingua, Bd. 6

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Das Beispiel ist seit der Antike ein zentraler Gegenstand der abendländischen Diskussion. In dieser ersten umfassenden Monographie zur Linguistik des Beispiels wird deshalb eine interdisziplinäre Perspektive entfaltet, in der Ansätze aus Rhetorik, Philosophie, Pädagogik und Psychologie sowie linguistischen Ansätze zur Beispielforschung behandelt werden. Die sprachwissenschaftliche Beschäftigung mit Beispielen blieb bisher jedoch ein Randphänomen, obwohl Praktiken der Beispielverwendung in der Alltagskommunikation allgegenwärtig sind. Orientiert an ›grounded theory‹, linguistischer Hermeneutik und Handlungssemantik wird hier ein Beispielbegriff erarbeitet, demzufolge das Beispielverwenden eine komplexe Form sprachlichen Handelns und eine fundamentale menschliche Denkbewegung darstellt, die darin besteht, einen Konnex zwischen Besonderem und Allgemeinem zu konstituieren. Hierauf basierend werden Beispiele anhand eines umfangreichen Korpus von Gesprächsdaten analysiert und kommunikative Muster, sprachliche Realisierungsformen sowie Funktionen des Beispielverwendens in der Interaktion herausgearbeitet.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhalt VII
1 Einleitung 1
1.1 Aufbau und Ziele 1
1.2 Korpus 7
2 Annäherungen 15
2.1 Kurze Übersicht zur Wort- und Begriffsgeschichte 15
2.2 Beispiel und Exempel in philosophischen/rhetorischen Nachschlagewerken und in Bedeutungswörterbüchern 17
3 Das Beispiel in der theoretischen Betrachtung verschiedener Disziplinen 27
3.1 Beispiele als Argumentationsmittel in der antiken Rhetorik 27
3.1.1 Beispiele als Beweismittel 28
3.1.2 Beispiele und rhetorische Beispielargumentation bei Aristoteles 29
3.1.3 Beispiele im Zusammenhang mit Unterhaltung, Leidenschaftserregung und Redeschmuck 38
3.2 Beispiele in der neueren Rhetorik und Argumentationsforschung 41
3.2.1 Fondement par le cas particulier: Beispielargumentation bei Perelman/Olbrechts-Tyteca 41
3.2.2 ‚Reasoning from Generalization‘ bei Toulmin/Rieke/Janik 55
3.2.3 Beispielargumentation als Muster der Alltagsargumentation bei Kienpointner 59
3.3 Die Rolle von Beispielen im Erkenntnis- und Verstehensprozess 70
3.3.1 Anschauung-Geben und Schärfung der Urteilskraft durch Beispiele bei Kant 70
3.3.2 Beispiele als Quelle des ‚Erfühlens‘ von Bedeutung bei Lipps 74
3.3.3 Aufhebung der Opposition zwischen Beispiel und Idee: Das Beispiel als Kunstwerk bei Sacksteder 77
3.3.4 Das Beispiel außerhalb der ‚Subsumptionslogik‘ bei Buck 83
3.3.5 Die Beispieltheorie Marcuschis: Das Beispiel als ‚zweistelliger Prädikator‘ 89
3.3.6 Die Struktur des Beispielverstehens bei Wittgenstein 96
3.3.7 Epistemologie des Exemplarischen nach Willer/Ruchatz/Pethes 101
3.4 Erzählen in Beispielen: Ergebnisse der literaturwissenschaftlichen Exempelforschung 108
3.4.1 Exempel als funktional bestimmte Gattung 109
3.4.2 Historische Entwicklung von Exempelfunktionen und -formen 114
3.4.3 Das Beispiel als ‚dependent statement‘ bei Lyons 119
3.5 Das Beispiel im Prozess der Wissensvermittlung 124
3.5.1 Das Konzept des Exemplarischen Lehrens und Lernens 124
3.5.2 Das Beispiel in der modernen Pädagogik und Psychologie 127
3.5.3 ‚Cased-based reasoning‘: Problemlösen als fallbasiertes Schließen 130
3.6 Die Überzeugungskraft des lebendigen Einzelfalls: Psychologische Erkenntnisse über die menschliche Urteilsbildung 132
4 Beispiele in der linguistischen Sprachbetrachtung 139
4.1 EXEMPLIFIZIEREN, BEISPIELNENNEN, BEISPIELGEBEN als selbstverständliche Sprachhandlungsmuster 139
4.2 Exemplifikation als Sprechakt und cotextuelle Relation bei Caffi/Hölker 148
4.3 Exemplarische Geschichten in der Alltagskommunikation: Die Analysen von Keppler 152
4.4 Entrüstung in Beispielgeschichten: Günthners Analysen zur interaktiven Konstruktion von moralischen Werten 159
4.5 Exemplifizieren als Textsorte bei Schwitalla und Cirko 165
4.6 Beispiele als Verfahren der Veranschaulichung bei Brünner und Gülich 172
4.7 Beispielgeschichten als Ethnomethode des alltäglichen Argumentierens bei Müller/di Luzio 179
4.8 Funktionales und argumentatives Erzählen bei Gülich, Quasthoff und Deppermann/Lucius-Hoene 187
4.9 Beispiele als typische Argumentationsform in Schülerargumentationen: Die gesprächsanalytischen Untersuchungen von Spiegel und Schütte 197
4.10 Beispiele als Schlüsselwörter im Diskurs: Die Studie von Stenschke 211
5 Beispielverwendung als sprachliche Handlung 215
5.1 Das Beispiel als Konnex von Allgemeinem und Besonderem 215
5.2 Zur Analysemethodik 218
5.3 Ein Strukturmodell 221
5.4 Beispielverwenden als sprachliche Handlung 227
6 Analyse-Ergebnisse I: Beschreibungsaspekte sprachlicher Realisations-formen von BEISPIELVERWENDEN 235
6.1 Explizite lexikalische Markierungen und andere Formen des displays von Beispielverwendung 235
6.1.1 Beispielindikatoren in bisherigen Analysen 237
6.1.2 Eigene Analyseergebnisse 240
6.1.2.1 Display durch kontextuell deutbare lexikalische Indikatoren 245
6.1.2.2 Kollokationen mit ‚zum Beispiel‘ 256
6.2 Beispielpräsentation auf der Äußerungsebene 261
6.2.1 Dimensionen der Beispielrealisation 262
6.2.2 Typen von Beispielrealisationen im Detail 267
6.2.2.1 Beispiel als ‚kognitiver Link‘ 267
6.2.2.2 Szenarios als Beispiele 268
6.2.2.3 Beispielerzählungen 275
6.2.2.4 Negativbeispiele 277
6.2.2.5 Existenzverweis auf Beispiele 278
6.3 Das Allgemeine auf der Äußerungsebene 282
6.3.1 Dimensionen der Realisation der Bezugnahme auf das Allgemeine 283
6.3.2 Ausgewählte Realisierungsformen im Detail 285
6.3.2.1 Das Allgemeine als komplexe Sachverhaltsdarstellung 285
6.3.2.2 Das Allgemeine als satzartige Äußerung 287
6.3.2.3 Das Allgemeine als einzelner Ausdruck 288
6.3.2.4 Das Allgemeine als thematischer Verweis 289
6.3.2.5 Das Allgemeine als Platzhalterausdruck 290
6.3.2.6 Bestimmung des ungesagten Allgemeinen aus dem direkten Kontext 293
6.4 Relevantmachen der Beispiel-Quelle auf der Äußerungsebene 296
6.4.1 Keine Quellenangabe 297
6.4.2 Eigene Person als Quelle für direkte Wahrnehmungen 298
6.4.3 Öffentliche Medien als explizierte Herkunftsquelle 310
6.4.4 Personen und Hörensagen als Quellenangabe 313
7 Analyse-Ergebnisse II: Handlungs- und Interaktionsmuster der Beispielverwendung 319
7.1 Sprecherbezogene Handlungsmuster 320
7.1.1 Nachgestellte Beispiele 321
7.1.2 Vorangestellte Beispiele 325
7.1.3 Solo-Beispiele 331
7.1.4 Das Beispiel in der Mitte 333
7.1.5 Beispielverschachtelung 338
7.1.6 Sonderfall: Beispielankündigung ohne Beispiel 339
7.2 Interaktionsmuster 340
7.2.1 Gegenbeispiel 340
7.2.2 Unterstützungsbeispiel 350
7.2.3 Beispieleinforderung 1 363
7.2.4 Beispieleinforderung 2 368
7.2.5 Partnerseitige Explizierung/Perspektivierung des Allgemeinen 370
7.2.6 Gemeinsame Beispielvermehrung 375
7.2.7 Beispielinhalte thematisieren/problematisieren 378
7.2.8 Beispiele als Antwort auf eine Frage 382
7.2.9 Beispiele zurückweisen 385
8 Ausblick 389
9 Literatur 393