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Abstract
Das Beispiel ist seit der Antike ein zentraler Gegenstand der abendländischen Diskussion. In dieser ersten umfassenden Monographie zur Linguistik des Beispiels wird deshalb eine interdisziplinäre Perspektive entfaltet, in der Ansätze aus Rhetorik, Philosophie, Pädagogik und Psychologie sowie linguistischen Ansätze zur Beispielforschung behandelt werden. Die sprachwissenschaftliche Beschäftigung mit Beispielen blieb bisher jedoch ein Randphänomen, obwohl Praktiken der Beispielverwendung in der Alltagskommunikation allgegenwärtig sind. Orientiert an ›grounded theory‹, linguistischer Hermeneutik und Handlungssemantik wird hier ein Beispielbegriff erarbeitet, demzufolge das Beispielverwenden eine komplexe Form sprachlichen Handelns und eine fundamentale menschliche Denkbewegung darstellt, die darin besteht, einen Konnex zwischen Besonderem und Allgemeinem zu konstituieren. Hierauf basierend werden Beispiele anhand eines umfangreichen Korpus von Gesprächsdaten analysiert und kommunikative Muster, sprachliche Realisierungsformen sowie Funktionen des Beispielverwendens in der Interaktion herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
Zwischenüberschrift | Seite | Aktion | Preis |
---|---|---|---|
Inhalt | VII | ||
1 Einleitung | 1 | ||
1.1 Aufbau und Ziele | 1 | ||
1.2 Korpus | 7 | ||
2 Annäherungen | 15 | ||
2.1 Kurze Übersicht zur Wort- und Begriffsgeschichte | 15 | ||
2.2 Beispiel und Exempel in philosophischen/rhetorischen Nachschlagewerken und in Bedeutungswörterbüchern | 17 | ||
3 Das Beispiel in der theoretischen Betrachtung verschiedener Disziplinen | 27 | ||
3.1 Beispiele als Argumentationsmittel in der antiken Rhetorik | 27 | ||
3.1.1 Beispiele als Beweismittel | 28 | ||
3.1.2 Beispiele und rhetorische Beispielargumentation bei Aristoteles | 29 | ||
3.1.3 Beispiele im Zusammenhang mit Unterhaltung, Leidenschaftserregung und Redeschmuck | 38 | ||
3.2 Beispiele in der neueren Rhetorik und Argumentationsforschung | 41 | ||
3.2.1 Fondement par le cas particulier: Beispielargumentation bei Perelman/Olbrechts-Tyteca | 41 | ||
3.2.2 ‚Reasoning from Generalization‘ bei Toulmin/Rieke/Janik | 55 | ||
3.2.3 Beispielargumentation als Muster der Alltagsargumentation bei Kienpointner | 59 | ||
3.3 Die Rolle von Beispielen im Erkenntnis- und Verstehensprozess | 70 | ||
3.3.1 Anschauung-Geben und Schärfung der Urteilskraft durch Beispiele bei Kant | 70 | ||
3.3.2 Beispiele als Quelle des ‚Erfühlens‘ von Bedeutung bei Lipps | 74 | ||
3.3.3 Aufhebung der Opposition zwischen Beispiel und Idee: Das Beispiel als Kunstwerk bei Sacksteder | 77 | ||
3.3.4 Das Beispiel außerhalb der ‚Subsumptionslogik‘ bei Buck | 83 | ||
3.3.5 Die Beispieltheorie Marcuschis: Das Beispiel als ‚zweistelliger Prädikator‘ | 89 | ||
3.3.6 Die Struktur des Beispielverstehens bei Wittgenstein | 96 | ||
3.3.7 Epistemologie des Exemplarischen nach Willer/Ruchatz/Pethes | 101 | ||
3.4 Erzählen in Beispielen: Ergebnisse der literaturwissenschaftlichen Exempelforschung | 108 | ||
3.4.1 Exempel als funktional bestimmte Gattung | 109 | ||
3.4.2 Historische Entwicklung von Exempelfunktionen und -formen | 114 | ||
3.4.3 Das Beispiel als ‚dependent statement‘ bei Lyons | 119 | ||
3.5 Das Beispiel im Prozess der Wissensvermittlung | 124 | ||
3.5.1 Das Konzept des Exemplarischen Lehrens und Lernens | 124 | ||
3.5.2 Das Beispiel in der modernen Pädagogik und Psychologie | 127 | ||
3.5.3 ‚Cased-based reasoning‘: Problemlösen als fallbasiertes Schließen | 130 | ||
3.6 Die Überzeugungskraft des lebendigen Einzelfalls: Psychologische Erkenntnisse über die menschliche Urteilsbildung | 132 | ||
4 Beispiele in der linguistischen Sprachbetrachtung | 139 | ||
4.1 EXEMPLIFIZIEREN, BEISPIELNENNEN, BEISPIELGEBEN als selbstverständliche Sprachhandlungsmuster | 139 | ||
4.2 Exemplifikation als Sprechakt und cotextuelle Relation bei Caffi/Hölker | 148 | ||
4.3 Exemplarische Geschichten in der Alltagskommunikation: Die Analysen von Keppler | 152 | ||
4.4 Entrüstung in Beispielgeschichten: Günthners Analysen zur interaktiven Konstruktion von moralischen Werten | 159 | ||
4.5 Exemplifizieren als Textsorte bei Schwitalla und Cirko | 165 | ||
4.6 Beispiele als Verfahren der Veranschaulichung bei Brünner und Gülich | 172 | ||
4.7 Beispielgeschichten als Ethnomethode des alltäglichen Argumentierens bei Müller/di Luzio | 179 | ||
4.8 Funktionales und argumentatives Erzählen bei Gülich, Quasthoff und Deppermann/Lucius-Hoene | 187 | ||
4.9 Beispiele als typische Argumentationsform in Schülerargumentationen: Die gesprächsanalytischen Untersuchungen von Spiegel und Schütte | 197 | ||
4.10 Beispiele als Schlüsselwörter im Diskurs: Die Studie von Stenschke | 211 | ||
5 Beispielverwendung als sprachliche Handlung | 215 | ||
5.1 Das Beispiel als Konnex von Allgemeinem und Besonderem | 215 | ||
5.2 Zur Analysemethodik | 218 | ||
5.3 Ein Strukturmodell | 221 | ||
5.4 Beispielverwenden als sprachliche Handlung | 227 | ||
6 Analyse-Ergebnisse I: Beschreibungsaspekte sprachlicher Realisations-formen von BEISPIELVERWENDEN | 235 | ||
6.1 Explizite lexikalische Markierungen und andere Formen des displays von Beispielverwendung | 235 | ||
6.1.1 Beispielindikatoren in bisherigen Analysen | 237 | ||
6.1.2 Eigene Analyseergebnisse | 240 | ||
6.1.2.1 Display durch kontextuell deutbare lexikalische Indikatoren | 245 | ||
6.1.2.2 Kollokationen mit ‚zum Beispiel‘ | 256 | ||
6.2 Beispielpräsentation auf der Äußerungsebene | 261 | ||
6.2.1 Dimensionen der Beispielrealisation | 262 | ||
6.2.2 Typen von Beispielrealisationen im Detail | 267 | ||
6.2.2.1 Beispiel als ‚kognitiver Link‘ | 267 | ||
6.2.2.2 Szenarios als Beispiele | 268 | ||
6.2.2.3 Beispielerzählungen | 275 | ||
6.2.2.4 Negativbeispiele | 277 | ||
6.2.2.5 Existenzverweis auf Beispiele | 278 | ||
6.3 Das Allgemeine auf der Äußerungsebene | 282 | ||
6.3.1 Dimensionen der Realisation der Bezugnahme auf das Allgemeine | 283 | ||
6.3.2 Ausgewählte Realisierungsformen im Detail | 285 | ||
6.3.2.1 Das Allgemeine als komplexe Sachverhaltsdarstellung | 285 | ||
6.3.2.2 Das Allgemeine als satzartige Äußerung | 287 | ||
6.3.2.3 Das Allgemeine als einzelner Ausdruck | 288 | ||
6.3.2.4 Das Allgemeine als thematischer Verweis | 289 | ||
6.3.2.5 Das Allgemeine als Platzhalterausdruck | 290 | ||
6.3.2.6 Bestimmung des ungesagten Allgemeinen aus dem direkten Kontext | 293 | ||
6.4 Relevantmachen der Beispiel-Quelle auf der Äußerungsebene | 296 | ||
6.4.1 Keine Quellenangabe | 297 | ||
6.4.2 Eigene Person als Quelle für direkte Wahrnehmungen | 298 | ||
6.4.3 Öffentliche Medien als explizierte Herkunftsquelle | 310 | ||
6.4.4 Personen und Hörensagen als Quellenangabe | 313 | ||
7 Analyse-Ergebnisse II: Handlungs- und Interaktionsmuster der Beispielverwendung | 319 | ||
7.1 Sprecherbezogene Handlungsmuster | 320 | ||
7.1.1 Nachgestellte Beispiele | 321 | ||
7.1.2 Vorangestellte Beispiele | 325 | ||
7.1.3 Solo-Beispiele | 331 | ||
7.1.4 Das Beispiel in der Mitte | 333 | ||
7.1.5 Beispielverschachtelung | 338 | ||
7.1.6 Sonderfall: Beispielankündigung ohne Beispiel | 339 | ||
7.2 Interaktionsmuster | 340 | ||
7.2.1 Gegenbeispiel | 340 | ||
7.2.2 Unterstützungsbeispiel | 350 | ||
7.2.3 Beispieleinforderung 1 | 363 | ||
7.2.4 Beispieleinforderung 2 | 368 | ||
7.2.5 Partnerseitige Explizierung/Perspektivierung des Allgemeinen | 370 | ||
7.2.6 Gemeinsame Beispielvermehrung | 375 | ||
7.2.7 Beispielinhalte thematisieren/problematisieren | 378 | ||
7.2.8 Beispiele als Antwort auf eine Frage | 382 | ||
7.2.9 Beispiele zurückweisen | 385 | ||
8 Ausblick | 389 | ||
9 Literatur | 393 |