Menu Expand

Die kommunikative Identität des Tricksters

Eine gesprächslinguistische und kultursemiotische Untersuchung zur Identitätskonstruktion in einer marginalisierten Gruppe

Steen, Pamela

OraLingua, Bd. 10

2015

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Der Trickster ist ein mythisch-literarischer Archetyp, dessen listenreicher, verwandlungsfähiger Charakter seit Ende des 19. Jahrhunderts Mythenforscher, Literaturwissenschaftler, Soziologen und Psychologen fasziniert. Erstmals wird in dieser Arbeit mit den Methoden der linguistischen Gesprächsanalyse und dem semiotischen Vergleich gezeigt, wie sich der Trickster als kommunikative Identität in Alltagsgesprächen manifestiert. In den Gesprächen männlicher Erwerbsloser auf einem Hamburger Platz entsteht die Identität des Tricksters als Ausdruck und Bearbeitung sozialer Marginalisierungsprozesse: durch sprachliche Mittel, wie z. B. im Fiktionalisieren als Gestaltwandler und Doppelgänger, im Rätselspiel als ‚Meister des sprachlichen Kodes‘, im Klatschgespräch als ein die gesellschaftlichen Absurditäten karikierender Schelm. Damit knüpft die Arbeit an die linguistische Identitätsforschung an und eröffnet mit der Methode des kultursemiotischen Vergleichs zudem neue Perspektiven auf diese.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhaltsverzeichnis V
Dank IX
1 Einleitung 1
2 Methodik: Konversationsanalyse und Kultursemiotik 5
2.1 Gesprächsanalyse: Alltagsgespräche 6
2.1.1 Konversationsanalyse und Ethnografie 7
2.1.2 Dokumentation 10
2.1.3 Korpus und Transkription 13
2.2 Kultur- und Gesprächsethologie 16
2.2.1 Funktionale Äquivalenz und Transposition 19
2.2.2 Vergleich mit Kulturemen 20
2.3 Kultursemiotik: Kulturelle Einheiten 24
2.4 Zusammenfassung: Methodischer Dreischritt 27
3 Ethnografische Beschreibung 31
3.1 Kleine kommunikative Lebenswelt 32
3.2 Soziales Feld 35
3.2.1 F-Gruppe und Beziehungsstruktur 35
3.2.2 Schauplatz, kommunikatives Areal und Territorium 40
3.3 Soziale Welt 42
3.3.1 Stigmatisierung und marginalisierte Gruppe 44
3.3.2 Die eigene Rolle im Feld 48
3.4 Zusammenfassung: Ethnografische Beschreibung 49
4 Theorie: Identität und Archetyp in der Kommunikation 51
4.1 Identität und Sprache 53
4.1.1 Sprache, Kultur und Identität 56
4.1.2 Intersubjektivität und Perspektivenübernahme 61
4.1.3 Soziale Identität und Positionierung 63
4.1.4 Personale und narrative Identität 66
4.1.5 Kollektive Identität 68
4.1.6 Zusammenfassung: Kommunikative Identität 69
4.2 Typisierung 70
4.2.1 Typisierte Handlungen 71
4.2.2 Typologie der Identitätstypen 73
4.2.3 Archetypen 78
4.2.4 Der Archetyp als Master-Identität 81
4.3 Trickster: Arglist und Alfanzerei 84
4.3.1 Wissenschaftliche Perspektiven auf den Trickster 85
4.3.2 Teufel, Narr, Schelm und Clown 96
4.3.3 Merkmale des Tricksters 99
4.4 Untersuchte Gesprächsphänomene: Überblick 102
4.4.1 Sinnbereiche und Sinnmomente 103
4.4.2 Linguistische Untersuchungsebenen 104
4.5 Zusammenfassung: Archetypische kommunikative Identität 112
5 Analyse: Der Trickster als kommunikative Identität 115
5.1 Selbst- und Fremdtypisierung: Beim Namen nennen 116
5.1.1 „Diablo“, „Unterhaltungspoet“ und „lockerer Vogel 119
5.1.2 „Spieler“, „Schlitzohr“ und „du weißt wen ich mein 145
5.1.3 Trickster-Kategorien 162
5.1.4 Zusammenfassung: Selbst- und Fremdtypisierung 166
5.2 Fiktionalisieren: Transformation und Verdopplung der Identität 168
5.2.1 Bricolage: Poetische Identitätsarbeit 172
5.2.2 Gestaltwandler: Identitätstransformation 174
5.2.3 Doppelgänger: Kommunikatives Doppel-Ich 193
5.2.4 Formen und Funktionen der Fiktion 222
5.2.5 Zusammenfassung: Fiktionalisieren 230
5.3 Scherzrätsel: Legitimation zum Tricksen 230
5.3.1 „Trick-Frage“: Annäherung und Dominanz 234
5.3.2 Agonales Prinzip 250
5.3.3 Ritualisiertes Spiel 258
5.3.4 Meister des sprachlichen Kodes 260
5.3.5 Symbolisches Tricksen als symbolisches Konfliktlösen 265
5.3.6 Zusammenfassung: Scherzrätsel 268
5.4 Klatsch: Kommunikative Waffe der Schelme 269
5.4.1 Positionierung: Experten und Informanten 273
5.4.2 Territorialverhalten und „place identity 292
5.4.3 Umpositionierung: Schelme 302
5.4.4 Zusammenfassung: Klatsch 307
5.5 Gesprächsstil: Das Prinzip Verwirrung 309
5.5.1 Verwirrung als kommunikatives Konstrukt 310
5.5.2 Der Durcheinanderbringer: „Diábolos 328
5.5.3 Verwirrung als Gesprächsstil 340
5.5.4 Trickster-Diskurs 347
5.5.5 Zusammenfassung: Gesprächsstil 350
6 Ergebnisse 353
6.1 Die Kommunikative Trickster-Identität 353
6.2 Der Trickster als Stellvertreter für Handlungsmacht 363
6.3 „wir müssen (…) den Narren entdecken“: Ein Schlusswort 369
7 Literatur 371