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Privilegien der Erfahrung

Fiktionalisierung als persistente Erschließung verschlossener Situationen

Wachter, Joseph

Probleme der Dichtung, Bd. 50

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Die bisherige Diffusion beim Umgang mit dem Begriff ,Fiktion‘ resultiert aus der Verkennung des Phänomens ,fiktional‘. Es wurde übersehen, dass fiktionale Gebilde ,Persistenz‘ voraussetzen, das Privileg des szenischen Dabeiseins und -bleibens in verschlossenen Situationen, deren Verkettung als Handlungsnexus erfahrbar wird. Das Fiktionsfeld fingiert, fiktiv und fiktional kann nun intern differenziert und extern vom Feld der Ästhetisierungen abgegrenzt werden. Die Frage nach Symptomen findet so ihre Beobachtungssonde für filmische, narrative, dramatische und lyrische Gebilde. Diese geschärfte Konzeption ermöglicht die Verzahnung von Erzähl- und Fiktionstheorie mit dem Ergebnis einer phänomenanalytisch gewonnenen Terminologie (z.B. navigierende/begleitende Persistenz). Sie wird erprobt in Auseinandersetzungen mit bisherigen Erzähltheorien, mit Whites ‚Metahistory‘, Luhmanns systemtheoretischen Literatur-Beobachtungen und Habermas‘ diskurstypologischen Abgrenzungsversuchen.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Vorbemerkung V
Inhalt 1
Einleitung 7
1. Kapitel: Ontologisch-terminologische Absicherungen 17
1. Die medial vermittelte Wirklichkeit 17
1.1. Erscheinende und scheinhafte Wirklichkeit 18
1.2 Schein als verrücktes Erscheinen 20
1.3 Metaphorischer Schein 20
1.4 Metonymisch täuschender Schein 24
1.5 Der Anschein der Wahrheit: Wahrscheinlichkeit 25
1.6 Der ästhetische und der fiktionale Schein 26
1.7 Schein und Illusionsbildung: ein Beispiel 28
2. Welten und Einstellungen 30
2.1 Differenzierung der Welten 30
2.2 Einstellungen zur Wirklichkeit 33
3. Möglichkeiten der Fiktionsbildung 36
3.1 Fingieren, fiktivieren, fiktionalisieren 36
3.2 Der terminologische Rest: ‚Fiktion’ 42
2. Kapitel: Sondierung der ‚Persistenz‘. Leistungen und Funktionen 44
1. Filmische Fiktion: Dabeisein und Dabeibleiben 44
1.1 Parkbank 44
1.2 Persistenz 46
1.3 Omaha Beach: die Gefahren des bloßen Dabeiseins 47
1.4 “Phoenix, Arizona, 2.43. p.m.” 48
1.5 Der Mord unter der Dusche 51
1.6 Das Fenster zum Hof 56
2. Zwischenreflexion: Handlung und Mimesis 58
2.1 Aspekte des allgemeinen Handlungsbegriffs 58
2.2 Mimetische Handlung 59
2.3 Mimesis als „Nachahmung“ einer Handlung? 60
3. Differenzierungen und Abgrenzungen 64
3.1 Persistenz durch Sprache 64
3.2 Erfinden und Beschreiben 66
3.3 Historisches und persistentes Erzählen 68
3.4 Fiktionssymptome und Persistenz 84
3.5 Die Erlebnisqualität des epischen Präteritums 86
3.6 „Ich-Origo“ und Persisten 91
3.7 „Erzählsituationen“ und Persistenz 97
3. Kapitel: Spielarten der Persistenz in der narrativen Textur ‒ Erzähltheoretische Auswirkungen 102
1. Navigierende Persistenz 102
1.1 Flauberts gottgleiches Erzählen: Salammbô 103
1.1.1 Der Spielraum der Persistenz: die Szene und ihre Tiefenstrukturen 106
1.1.2 Weltorientierung durch Persistenz 114
1.1.3 Kosmo-logische Funktionen der Persistenz 118
1.2 Psycho-Logik 123
1.3 Historizität und Handlungsintegration 126
2. Begleitend-fokussierende Persistenz 129
2.1 Personale Erzählsituation und persistente Perspektivik 129
2.2 Ablösung vom Paradigma der Visualität 133
2.3 Vorstellung und Vorstellbarkeit der Figuren 135
2.4 Zwischenreflexion: Diskurs als generative Persistenz 141
2.4.1 Abgrenzung 1: Diskurs und Megadiskurs 142
2.4.2 Abgrenzung 2: Diskurs und Proposition 145
2.4.3 Abgrenzung 3: Diskurs und Interaktion 147
2.5 Virtualisierung 1: Um sein Leben erzählen (1001 Nacht) 150
2.6 Virtualisierung 2: Erzählen als Argumentieren (Nathan der Weise) 153
2.7 Vor dem Diskurs: Äußerungen und Vorschriften 155
2.8 Diskursiv verwandeltes Erleben (Ein fliehendes Pferd) 157
3. Reflektierte Persistenz und Erzähler-Ich 166
3.1 Humoristisches Erzählen und Persistenzbewusstsein 167
3.2 ‚Allwissenheit‘ und ichzentrierter Diskurs 175
3.3 Zu Robbe-Grillets erzähltechnischem Verwirrspiel 178
4. Okkurrent-erinnerndes Erzählen und persistente Präsentation 186
4.1 Fiktionalisierung der Ich-Erzählung 190
4.2 Transpragmatische Exkursionen und diskursive Verwerfungen 192
4.3 Schriftliche Artikulation: Fingiert oder persistent präsentiert? 199
4.4 Mimetische Okkurrenz, gesprochener Diskurs 211
4.5 Kategoriale Engführung 222
5. Literarische Kommunikation und Fiktionalität (Anderegg) 225
5.1 Fiktionssignale vs. Fiktionssymptome 225
5.2 Kommunikation und Präsuppositionen 229
5.3 Die theoretische Bevorzugung des vortheoretischen Lesers 232
5.4 Kritik an den Fiktionssymptomen 234
5.5 Kontextabhängigkeit von Symptomen? 237
5.6 „Geschlossenheit“ fiktionaler Texte? 241
6. Narratologie und Fiktionstheorie (Genette, Schmid) 244
6.1 Fiktionssymptome und Privilegien 245
6.2 Konditionalistische Argumente 248
6.3 Perspektivische Nachlässigkeiten 251
6.4 Diegesis und Mimesis: Platons Unterscheidung 252
6.5 Fokalisierungen im diegetisch-mimetischen Feld 256
6.6 Zum Status der erlebten Rede 263
6.7 Diegetisch-mimetische Kombinatorik und Rahmenerzählung 265
4. Kapitel: Persistenz im Drama und im Gedicht ‒ Situationstheoretischer Systematisierungsversuch 271
1. Fiktionalisierungen im Drama 271
1.1 Die vergessene Mimesis: Käte Hamburgers Überlegungen zum „Verhältnis der dramatischen zur epischen Fiktion“ 272
1.2 Gottscheds Schlossvorhof 278
1.3 Öffentliche Präsentationsformen 294
1.3.1 Spiel- und Handlungsfelder als Bühnen: vormimetische Präsentationen 296
1.3.2 Hinter der Schwelle: die beschränkten Möglichkeiten rezeptionspragmatischen Illusionismus 308
1.4 Fixiert-fixierende Persistenz 316
1.4.1 Das Theater, nichts anderes als es selbst 317
1.4.2 Schwellen der örtlichen und situativen Privilegierung 320
1.4.3 Irritabilität: Versuch einer systemtheoretischen Deutung 331
1.5 Navigierend-springende und reflektierte Persistenz 340
1.5.1 Phantastische Orte 340
1.5.2 Lokal und temporal navigierende Persistenz 341
1.5.3 Raum 342
1.5.4 Zeit 343
1.5.5 Ich-zentrierte dramatische Persistenz: Rollendiskrepanz 344
2. Lyrik: Zugänge zu Mitteilungen aller Art 347
2.1 Die Mitteilung als lyrische Grundhandlung 348
2.2 Lyrisches Sprechen als mitteilungslose Wirklichkeitssaussage? - Zu Käte Hamburgers Deutung der Lyrik 355
2.3 Situativ-temporale Topik lyrischer Fiktionalisierungen 365
2.3.1 Nicht-Fiktionalität: das Präsens als Tempus theoretischer Gegenwärtigkeit 366
2.3.2 Theoretische Vergegenwärtigung 371
2.3.3 Pertinentes Präsens und Präsentationsstruktur 374
2.3.4 Wahrnehmungsdiskurse 379
2.3.5 Erleben und lyrischer Diskurs 388
2.4 Adressierte Diskurse, Apostrophen 392
2.5 Das diskursive Subjekt als Chor, chorisches Sprechen 396
2.6 Lyrisches Erzählen: Präteritum (Bezug auf ein ‘Erlebnis’) 400
2.7 Zusammenfassung: Lyrik und Fiktionalität 407
3. Transpragmatik, Situationen als Weltzellen 413
3.1 Situationen überhaupt 416
3.2 Situationen: ein Typologisierungsversuch 418
3.3 Ästhetische Einstellung und Situationskomplexion 421
3.4 Möglichkeiten dokumentarischer Zugänge 422
3.5 Ein Gedankenexperiment: die negative Utopie der absoluten filmischen Zugänglichkeit. 426
3.6 Prägnanzkompetenz 427
3.7 Privilegierte Zugänge, Exklusivität und Irritabilität 428
3.8 Schematisierungsversuche: topische und situative Hermetik 430
5. Kapitel: Soziologisch-philosophische Hinsichten auf Fiktionen und Fiktionalisierungen. Luhmann und Habermas 437
1. Systeme und Beobachtbarkeiten (Luhmann) 437
1.1 Luhmanns Fiktionsbegriff: „reale und fiktionale Realität“ 438
1.2 Religion und Kunst: Wiedereintritt von Unterscheidungen 442
1.3 Persistenz und die „Linie des Teufels“ 445
1.4 Persistenz und systemtheoretische Beobachtbarkeit 449
1.5 Luhmanns Kommunikationsbegriff: Probleme a limine 451
1.6 Situationen und Interaktionen / Kommunikationen 453
1.7 Bewusstsein vor und während der Kommunikation 457
1.8 Kunst als „Kompaktkommunikation“ 460
1.9 Kommunikation, Formwahrnehmung und Fiktionalität 466
1.10 Ontische Indikatoren und Konstruktivismus 472
1.10.1 Radikaler Konstruktivismus: Unterscheidungen und Unterschiede 476
1.10.2 Luhmanns operationaler Konstruktivismus, ontologisch beobachtet 480
1.10.3 Die literaturwissenschaftliche Sonderstellung der Fiktionstheorie 498
2. Wahrheitsansprüche und Diskurstypen (Habermas) 501
2.1 Philosophie und Literatur: Differenzierungsbemühungen 502
2.2 Illokution, Poetizät und Fiktionalisierung 510
2.3 Poetische und fiktionale Welterschließung (mit Franks Einwänden) 518
Literaturverzeichnis 529
Personenregister 539