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›Wurzel allen Denkens und Redens‹

Die Metapher in Wissenschaft, Weltanschauung, Poetik und Lyrik um 1900

Specht, Benjamin

Probleme der Dichtung, Bd. 52

2017

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Die Metapher steht um 1900 am Schnittpunkt vieler wissenschaftlicher und weltanschaulicher Debatten: in Ästhetik und Linguistik ebenso wie in Psychologie, Anthropologie und Erkenntnistheorie. Stets wird mit ihr das fundamentale Verhältnis von Sache, Vorstellung und Sprache erörtert. Auch wenn die Konzepte sich stark unterscheiden, verbindet dieses gemeinsame Problem die beteiligten Diskurse und verknüpft es überdies mit der zeitgeschichtlichen Frage nach der ‚Moderne‘. Vor allem die Lyriker der Zeit sehen sich vor der riskanten Aufgabe, für ihre Epoche eine ‚metaphorische‘ Anbindung von Bewusstseinsstand und Lebenswelt zu leisten wie schon in vergangenen Perioden. Darin treffen sich Berliner und Wiener Moderne. Dies lässt sich exemplarisch an Poetik und Dichtung von Hugo von Hofmannsthal und Arno Holz verdeutlichen. Beide Autoren nehmen die disziplinären und kulturdiagnostischen Wissensbestände detailliert zur Kenntnis und entwickeln sie literarisch weiter. An ihrem Werk lässt sich so erkennen, wie Literatur und Wissenschaft einander im Zeichen der Metapher genau und kritisch beobachten.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover Cover
Titel 3
Impressum 4
Inhalt 5
1 ‚Wurzel allen Denkens und Redens‘. Die Frühe Moderne, das ‚Metaphorische‘ und die Metapher 11
2 Metapher, Wissen, Lyrik. Zur Struktur und den literarischen Funktionen metaphorischer Rede 41
2.1 Systematik der Metapher. Debattenfelder der Metaphernforschung 47
2.1.1 Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit 48
2.1.2 Semiotische Ebenen des metaphorischen Prozesses 53
2.1.3 Zusammenspiel der Sinnbezirke 59
2.1.4 Transferformen zwischen den Sinnbezirken 63
2.1.5 Ähnlichkeit 73
2.2 Metaphern in Literatur und Lyrik. Funktionen, Strukturen und historische Abgrenzungen 79
2.2.1 Potenzen metaphorischer Rede in literarischen Texten 82
2.2.2 Tendenzen metaphorischer Rede in lyrischen Texten 90
2.2.3 Metapher und Symbol um 1900 104
3 „Verbindung finden wir im Bilde“. Die Metapherndiskussion im späten 19. Jahrhundert 111
3.1 Arbitrarität der Sprache und Relativität der Erkenntnis: die Metaphernreflexion beim frühen Friedrich Nietzsche 117
3.1.1 ‚Sprachinstinkt‘ in "Vom Ursprung der Sprache" (1869) 120
3.1.2 Metapher und Metaphysik in der "Geburt der Tragödie" (1872) und in den Nachlassnotizen 123
3.1.3 Die erkenntnistheoretische Ausweitung des Metaphernbegriffs in Nietzsches "Darstellung der antiken Rhetorik" (1872/73) und Gustav Gerbers "Die Sprache als Kunst" (1871) 131
3.1.4 Die Universalisierung des ‚Metaphorischen‘ in "Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne" (1873) 139
3.2 Prinzip der Sprache: Metapher in der Sprachwissenschaft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 146
3.2.1 Metapher bei der Entstehung der Sprache 150
3.2.2 Metapher bei der Entwicklung der Sprache 157
3.2.3 Metapher im Sprachsystem 164
3.3 Figur der Assoziation: Metapher und (Physio-)Psychologie 168
3.3.1 Psychophysik 169
3.3.2 Elementenpsychologie 177
3.3.3 Psychoanalyse 181
3.4 Sinnbild der Partizipation: Metapher in Anthropologie, Völkerpsychologie und Mythenforschung 190
3.4.1 Die Sprache in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts 191
3.4.2 Die Sprache in der Völkerpsychologie 198
3.4.3 Metapher als Signum der frühesten Kulturstufen in Anthropologie und Völkerpsychologie 206
3.4.4 Mythos und Metapher 211
3.5 Medium der Erkenntnis: Metapher in Wahrnehmungsphysiologie, Erkenntnistheorie und Sprachkritik 214
3.5.1 Metapher und Erkenntnistheorie I: Sinnesphysiologie und Wahrnehmungstheorie 216
3.5.2 Metapher und Erkenntnistheorie II: Sprache und Denken 219
3.5.3‚Prinzipielle Sprachkritik‘ und ihre Konsequenzen bei Mauthner und Landauer 223
3.6 Spur von ‚Erlebnis‘ und ‚Einfühlung‘: Die Metapher und das ‚Metaphorische‘ in der akademischen Ästhetik und Poetik vor 1900 232
3.6.1 Produktionsästhetik: Erlebnis und ‚Bild‘ 234
3.6.2 Rezeptionsästhetik: ‚Leihung‘ und ‚Einfühlung‘ 244
4 Die „Bildhaftigkeit aller Dinge“. Reflexion und lyrische Praxis der Metapher bei Hugo von Hofmannsthal 255
4.1 ‚Leben‘, Sprache und Poesie: Gegenwartsdiagnostik und Poetologie im essayistischen Werk 264
4.1.1 Zeitdiagnostik: Moderne und ‚Leben‘ 266
4.1.2 Sprachreflexion: Begriff und Metapher 273
4.1.3 ‚Leben‘ und ‚Erlebnis‘ in Hofmannsthals Poetik 279
4.2 Zwischen primärer Anschauung und unhintergehbarer Gleichnishaftigkeit. Hofmannsthals Metaphernreflexion im essayistischen Werk 287
4.2.1 Metapher und Einheit: "Philosophie des Metaphorischen" (1894) 289
4.2.2 Metapher und Differenz: "Bildlicher ausdruck" (1897) 295
4.2.3 Metapher zwischen Einheit und Differenz: "Einleitung zu dem Buche genannt Erzählungen der Tausendundein Nächte" (1906) 298
4.3 Durchbrüche des Eigentlichen: Hofmannsthals Tropologie in "Ein Brief" (1902) 302
4.3.1 Chandos' Wirklichkeit: Raumzeitliche Koordinaten von "Ein Brief" 306
4.3.2 Chandos' Krise: Die Metaphorizität der Sprache als Signum moderner Differenzerfahrung 309
4.3.3 Chandos' ‚Augenblicke‘: Das ‚Metaphorische‘ als Identitätserlebnis 315
4.3.4 Chandos' Brief: Sprechen im Wissen um die Defizite der Sprache 323
4.4 Das Symbol und die ‚metaphorische‘ Partizipation in "Das Gespräch über Gedichte" (1903) 325
4.4.1 Poesie zwischen Selbstreferenz und Lebensbezug 327
4.4.2 Die Referenz des Symbols zwischen Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit 332
4.4.3 Das Symbol und das Opfer 335
4.4.4 Poesie als gebundener ‚Augenblick‘ 343
4.5 „In unsern Worten liegt es drin“. Das ‚Metaphorische‘ und die Metaphorik in Hofmannsthals Lyrik 346
4.5.1 Früheste Gedichte 348
4.5.2 Gedichte der Einheit 361
4.5.3 Gedichte der Differenz 370
4.5.4 Gedichte von Einheit und Differenz 381
5 Der „große Weg zur Natur zurück“. Poetische Programmatik und lyrische Metaphernpraxis bei Arno Holz 409
5.1 „Kunst = Natur – x“. Konzept und Begründung des ‚Kunstgesetzes‘ in "Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze" (1891/92) 422
5.1.1 Das Kunstgesetz, seine Bedingungen und sein Status 424
5.1.2 Kunst, Natur und Subjektivität 430
5.1.3 Das ‚x‘: ‚Handhabung‘ und ‚Reproduktionsbedingungen‘ 436
5.1.4 Plausibilisierungsstrategie I: Narrative Stilisierung der Biographie 439
5.1.5 Plausibilisierungsstrategie II: Prätention von Wissenschaftlichkeit 447
5.2 „Schau her, auch dies ist Poesie!“ Sprache, Dichtung und Moderne im "Buch der Zeit" (1886) und im ersten "Phantasus"-Zyklus 450
5.2.1 Sprache, Dichtung und das Thema der Moderne im "Buch der Zeit" 452
5.2.2 Poetischer Nexus von Innen- und Außenwelt im ersten "Phantasus"-Zyklus 464
5.3 ‚Notwendiger Rhythmus‘. Weiterentwicklungen von Holz' Poetik beim Erscheinen des "Phantasus" von 1898/99 473
5.3.1 Die ‚Revolution der Lyrik‘ in der "Selbstanzeige" (1898) 476
5.3.2 Die Debatte um den ‚notwendigen Rhythmus‘ im Anschluss an die "Selbstanzeige" 481
5.4 ‚Ich bin X‘. Konzept und Umsetzung der metaphorischen "Phantasus"-Identität(en) in der Version von 1898/99 487
5.4.1 Metaphern als Erweiterung der Ausdrucksoptionen 490
5.4.2 Das ‚Phantasus-Prinzip‘ als Einheit und Differenz von Welt und Ich 492
5.4.3 Metaphorische Projektionen zwischen Mensch und Natur 502
5.4.4 Metaphorische Projektion in andere menschliche Seinsmöglichkeiten 507
5.4.5 Kosmische Projektionen 515
5.4.6 Projektionen ins Phantastische 520
5.5 Der "Phantasus" von 1916. Radikalisierung des ‚Metaphorischen‘ und Fortentwicklungen der Bildverfahren 523
5.5.1 Konstanz und Weiterentwicklung der Poetik 525
5.5.2 Der neue Rahmen 532
5.5.3 Verfahren der ‚Metaphern im engeren Sinne‘ 544
5.6 Die ‚Poetik der Zahl‘ und der Bedeutungsverlust der Metapher in den letzten Fassungen des "Phantasus" (1925, 1961/1929) 551
5.6.1 Die ‚Zahlenarchitektonik‘ 554
5.6.2 Holz und Reß' "Die Zahl als formendes Weltprinzip" (1926) 560
5.6.3 Die Metapher unter Bedingung der ‚Zahlenarchitektonik‘ 564
6 Die Rückkehr des Symbols. Eine Hypothese zur Konsolidierung des Metaphernproblems um 1900 571
Literatur 585
1 Siglen 585
2 Texte vor und um 1900 585
3 Forschungsliteratur 589
Danksagung 605
Backcover 607