Menu Expand

Umschrift und Einmischung

Robert Neumanns Schreiben zwischen Selbst(er)findung, Parodie und Engagement

Jäger-Gogoll, Anne Maximiliane

Reihe Siegen. Beiträge zur Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaft, Bd. 172

2015

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Zu Lebzeiten wurde er gern mit Superlativen bedacht, mit literarischen Fixsternen wie Lessing und Thomas Mann, Voltaire, Swift oder Balzac verglichen. Seit seinem Tod im Januar 1975 ist es still um Robert Neumann (1897–1975) und sein Werk geworden. Geblieben ist fast ausschließlich die Erinnerung an die brillanten Literaturparodien, mit denen Neumann 1927 schlagartig berühmt geworden war. Als eine der ersten umfangreicheren literaturwissenschaftlichen Untersuchungen widmet sich die vorliegende Studie zentralen Text- und Themenkomplexen von Neumanns Werk. Das Parodistische wird dabei nicht, wie bisweilen geschehen, als rezeptionsverfälschendes Moment, sondern als essentieller Bestandteil von Neumanns Schreiben verstanden, der für die autobiographischen Schriften und ihre literarische Inszenierung dynamischer Erinnerungsprozesse ebenso zentral ist wie für die politisch engagierten Bücher, bis hin zu dem 1965 im Kontext des Frankfurter Auschwitz-Prozesses erscheinenden Roman ‚Der Tatbestand oder Der gute Glaube der Deutschen‘.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover C
Titel 3
Impressum 4
Inhalt 7
UMSCHRIFT UND ENGAGEMENT. Zur Einleitung 9
I ZWISCHEN ZERSPLITTERUNG UND REKONSTRUKTION: ROBERT NEUMANNS AUTOBIOGRAPHIEN 33
I.1 Gegenstand und Kontext 33
I.1.1 Geschriebene Versionen des Ich: Autobiographie, Parodie, „Hochstapelei“ 40
I.1.2 Erinnerung, Wirklichkeit, „Wahrheit“ 42
I.1.3 Zeit 43
I.1.4 „Nachträglichkeit“ – Erinnerung(s)text und Variation 47
I.1.5 Untersuchungsschritte 50
I.2 „Ein Fetzenteppich des Lebens und Überlebens“: Ein leichtes Leben (1963) 52
I.2.1 Zeitstruktur und Themenfokus 53
I.2.2 Exil (und) Erzählen 57
I.3 Text, Subtext, Text(bless)ur – Prinzipien des Autobiographischen 75
I.3.1 Montage, Umschrift, Elision 77
I.4 Etappen literarischer Bewältigung: Vom Journal (1944/45) zu Absalom (1974) 85
I.4.1 Gegenstand und Kontext 85
I.4.2 Tod, Trauma, Trauerarbeit – das Tagebuch 1944 89
I.4.3 Ambivalenz und Dekonstruktion – Die Ausgangskonstellation des Journal 94
I.4.4 Selbstreflexion durch die Augen des Anderen: Robert Neumann being the Journal and Memoirs of Henry Herbert Neumann edited by his father 96
I.4.5 „Verkapselung“. Zur literarischen Topik des biographischen Traumas in der autobiographischen Fiktion 98
I.4.6 „The wound which does not heal“: Trauma 99
I.4.7 Textueller Bruch und/versus narrative Sinngebung 100
I.4.8 Die Spur des Verstorbenen im Text – Henry Herbert Neumanns „Telephone Phantasy” 104
I.4.9 „Erinnerungsspur“ I 108
I.4.10 „Erinnerungsspur“ II 111
I.4.11 Die Wiedergewinnung des Erzählens – Zum literarischen Potential der Autobiographie 115
I.4.12 „It was a light life and gay…“ Absalom und „die Ermordung eines Sohnes“ 122
I.4.13 „…bezüglich des ganzen Buches recht ratlos…“ – Probleme der Fiktion 125
I.4.14 Symbolisierung des Misslingens: Titel und Motto 131
I.4.15 Das „leichte Leben“ – Roman und/versus Autobiographie 136
II ZWISCHEN EXIL UND REMIGRATION: DIE DUNKLE SEITE DES MONDES (1959) 143
II.1 Gegenstand und Kontext 143
II.2 Doppelte Böden 152
II.3 Symptomatologie der Remigration 155
II.4 Metaphern des Gedächtnisses / Arbeit der Erinnerung – Funktionen und Symptomatologie der Schrift 161
II.4.1 Zwischen Archiv und Tagebuch oder: Was ist Authentizität? 163
II.4.2 Archiv 168
II.4.3 Verborgen(es) und Enthüllt(es) 171
II.4.4 Tagebuch und „Testament“ 173
II.4.5 Schrift und Exil / Schrift im Exil 177
II.4.6 Tagebuch 181
II.4.7 Schrift als Symptom / Schrift als „Spur“ 188
II.4.8 Spuren und Spiegel 195
II.4.9 Beschwörung und Befreiung 200
II.5 Fazit 202
III ZWISCHEN WIRKLICHKEIT UND WAHRHEIT: DER TATBESTAND ODER DER GUTE GLAUBE DER DEUTSCHEN (1965) 207
III.1 Einleitendes 207
III.2 Kontexte 209
III.2.1 Werkkontext und Konzeption 209
III.2.2 Literarisch-politisches Diskursfeld 217
III.3 Gattungsfragen 224
III.3.1 Roman und Tagebuch 227
III.3.2 Untersuchung 231
III.4 Der Roman 231
III.4.1 Inhalt und Erzählstruktur 231
III.4.2 Figurenkonstruktion und Erzählprinzip I 239
III.5 Der Tatbestand – (k)ein Schlüsselroman? 248
III.5.1 Der Schlüsselroman als juristischer Fall: „Vogel“/Adler 253
III.5.2 Schlussfolgerungen 262
III.6 Figurenkonstruktion und Erzählprinzip II 264
III.6.1 „Cohn“ (Arendt) und Andere 264
III.6.2 Jenseits der Ironie: die „Verliebten“ 277
III.6.3 „Die beiden Kommunisten“: Pfeffer und Igel 283
III.6.4 „Sahl-Sobieski“/Reich-Ranicki und „Knecht“/Klett 305
III.7 Schlussfolgerung: „Tua res agitur“ – Schreiben nach Auschwitz 327
LITERATURVERZEICHNIS 335