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Poetik der Fülle

Sprechen und Erinnern im Werk Valère Novarinas

Fröhlich, Constanze

Studia Romanica, Bd. 186

2014

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Sämtliche Texte des französischen Dramatikers Valère Novarina, die Leser und Zuschauer beständig mit einem Zuviel an sprachlicher Information konfrontieren, sind dem Prinzip sprachlicher Fülle verpflichtet. Hinter diesem verwirrenden Überfluss verbirgt sich eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der Sprache und dem Sprechen, die nicht nur in den Dramen selbst, sondern auch in zahlreichen essayistischen Texten reflektiert wird. Der wesentliche Einbezug des Theaters als Ort der Aufführung zeichnet diese profunde Sprachreflexion aus, die Novarina eine besondere Stellung unter den dramatischen Autoren der Gegenwart zuweist. Die vorliegende Arbeit versucht erstmals anhand der Analyse wiederkehrender Formen und Motive jene ‚Poetik der Fülle‘ in Novarinas Texten zu beschreiben. Die komplementären Vorgänge des unablässigen Sprechens und Erinnerns werden dabei als die zentralen Themen eines ungewöhnlichen Werks ausgewiesen, das poetische Sprach- und Theaterreflexion gleichermaßen ist.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Inhaltsverzeichnis 7
TEIL 1: EIN THEATER IM ZEICHEN SPRACHLICHER FÜLLE 11
1: Das Théâtre des paroles Valère Novarinas 13
1.1: Eine literarische ‚Supernova‘? Zu einigen Klassifizierungsproblemen 14
1.1.1: Literaturhistorische Bezugsmöglichkeiten 14
1.1.2: Formale und gattungstheoretische Besonderheiten 18
1.2: Auf einen ersten Blick: Zentrale Textcharakteristika 21
1.2.1: Hermetik 21
1.2.2: Fragment 23
1.2.3: Anti-Theorie 25
1.3: Über das Werk Novarinas schreiben 28
1.3.1: Wissenschaftliche Rezeption 28
1.3.2: Methodischer Ansatz und Aufbau der Arbeit 32
2: Zur Ästhetik sprachlicher Fülle 37
2.1: Überfluss als wesentliche Redequalität 37
2.2: Metaphorik des proliferierenden Schreibens 40
2.3: Copia als literarisches Phänomen der Renaissance 42
2.4: Die Ambivalenz des Überflusses 46
2.5: Der Katalog in den Texten Novarinas 51
2.5.1: Der Katalog als ubiquitäre Textgestalt 51
2.5.2: Der Katalog als Evidenz sprachlicher Proliferation 55
2.5.3: Der Katalog als Form der Unüberschaubarkeit und als Ordnungsprinzip 59
2.5.4: Der Katalog als Bühnentext 62
TEIL 2: FÜLLE DES SPRECHENS 65
3: Zahlen und Zählen 67
3.1: Zählen als Ursprung des Sprechens 67
3.2: Leere und symbolische Zahlverwendung 70
3.3: Sprache als unmögliche Mathesis 75
4: Proliferation der Namen 81
4.1: Namen und Wörter 81
4.2: Namen als Sonderfall der Übersetzung 83
4.3: Das Verhältnis von Personenname und Bühnenfigur 85
4.4: Die Figur des Adam: Homo nominans 87
4.5: Der Name Gottes: Leere und Verwirrung 91
5: Sprachenvielfalt 97
5.1 Muttersprachen 97
5.1.1: Ungarisch 97
5.1.2: Französisch 100
5.1.3: Patois 101
5.2 Glückliches Babel 105
6: Exkorporation 111
6.1: Sprechen und Verkörperung: Die Lettre aux acteurs 111
6.2: Parallele Ansichten: Sprech- und Ausscheidungsvorgänge 116
TEIL 3: FÜLLE DES ERINNERNS 131
7: Erinnern statt Vergessen 133
7.1: Zuviel Erinnerung? 134
7.2: Außen/Innen 137
7.3: Die Aufhebung des Vergessens: Anamnese 139
7.4: Sammelvorgänge 143
7.5: Die Loterie Pierrot: Erinnerungsalbum und Sprachkunstwerk 146
7.5.1: Textaufbau 146
7.5.2: Vom Theater- zum Lesetext: Die Authentizität der Erinnerung 149
7.5.3: Die Loterie Pierrot als Zeugnis des kulturellen Gedächtnisses 152
7.5.4: Fake und Faktum 154
8: Facetten der Intertextualität 157
8.1: Implikationen der poststrukturalistischen Intertextualitätstheorie 157
8.2: Werkimmanente Verweise: Die Arboreszenz des OEuvres 160
8.3: Qualität und Quantität der Intertexte 162
8.4: Bedeutungsentfaltung der Intertexte 165
8.5: Wer spricht? – Zur Autorität des Zitats bei Novarina 167
9: Inkorporation 175
9.1: Mahlzeit! – Zur Motivik des Essens 175
9.1.1: Die Einverleibung von Texten 175
9.1.2: Abendmahl und Festmahl als wiederkehrende Textmotive 177
9.2: Artikulieren 181
9.2.1: Sprechbewegungen 182
9.2.2: Sich erinnern: Zur „Anthropologie du geste“ des Marcel Jousse 184
9.2.3: Mit dem Körper denken 187
9.2.4: Hören: Die dritte Artikulation 189
10: Sprechen und Erinnern im Theater 193
10.1: Textraum – Theaterraum – Gedächtnisraum 193
10.2: Der Text in der Aufführung 198
10.3: „L’artiste de la mémoire“ – Zur Idee des Schauspielers 203
10.4: Auswendigkeit 208
FAZIT 213
11: Gegen das Schweigen: Ce dont on ne peut parler, c’est cela qu’il faut dire 215
Schriften- und Siglenverzeichnis 221
Literaturverzeichnis 225
Primärliteratur 225
Sekundärliteratur 226
Danksagung 237