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Ästhetik der Mehrsprachigkeit

Zum Sprachwechsel in der neueren romanischen und deutschen Literatur

Helmich, Werner

Studia Romanica, Bd. 196

2016

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Der Sprachwechsel in literarischen Werken hat im 20. Jh. in mancherlei Hinsicht eine neue Qualität erlangt. Die Studie sucht in Einzelanalysen von Werken verschiedener Gattungszugehörigkeit mit französischer, italienischer, spanischer, portugiesischer und deutscher Trägersprache ein breites Spektrum mehrsprachiger Literatur vom Beginn der klassischen Moderne bis zur Gegenwart zu präsentieren und die Befunde vor dem Hintergrund der Forschung von Verfahren und Funktionen der Mehrsprachigkeit in älteren Werken abzugrenzen. Ausführlicher betrachtet werden u.a. Texte von Th. Mann, M. de Andrade, A. Schmidt, Cortázar, Semprún, Roche, Jandl, Camilleri, Cabrera Infante, Sanguineti, Goytisolo, Eco, U. Johnson, Vieira, Le Clézio und J. Ríos. Die Vielfalt der Objekte – darunter auch mehrsprachige KZ-Berichte, indigenistische Romane, Chicano-Literatur, mischsprachige Lyrik und Einsprengsel in Phantasiesprachen – soll restriktiven ästhetischen und ideologischen Zuschreibungen des Phänomens entgegenwirken.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover C
Titel 3
Impressum 4
Inhalt 7
Vorwort 11
KAPITEL 1. Theoretische Grundlagen und Ausgangsfragen 13
1.1 Das Untersuchungsobjekt und die Terminologie 13
1.2 Zur Forschungsgeschichte 22
1.3 Parameter der Formanalyse 30
1.4 Ästhetische Funktionen 32
1.5 Fragestellungen und Erkenntnisziele 40
1.6 Grundsprachen, Werkauswahl, Präsentation 42
KAPITEL 2. Zur Vorgeschichte. Von fremden Literaturen, Ländern und Menschen 47
2.1 Warum zurückschauen? 47
2.2 Mehrsprachige Literatur bis zum ausgehenden Mittelalter 47
2.3 Humanismus und Renaissance 55
2.4 Vom Barock bis zur Aufklärung 63
2.5 Romantik, Realismus, Naturalismus 67
2.6 Vom Fin de siècle bis ins frühe 20. Jahrhundert 72
2.7 Gattungs- und Funktionswandel 74
KAPITEL 3. Deutsch als Fremdsprache 1943–1945. Sprachwechsel in italienischen und französischen KZ-Berichten 77
3.1 Das Korpus und die Frage der Testimonialliteratur 77
3.2 Die Lagersprache und ihre literarische Präsentation 84
3.3 Lexikon und Grammatik des Lagers 86
3.4 Sprachterror und Sprachwiderstand 91
3.5 Deutsch als Kultursprache 95
3.6 Mehrsprachige Szenen unter Häftlingen 98
3.7 Erzwungene und freie Mehrsprachigkeit 102
3.8 Befund 107
KAPITEL 4. Gesellschaften und mehrsprachige Literaturen Einige Beispiele aus der Alten Welt "…usque ubi leones" 111
4.1 Mehrsprachige Gesellschaften und mehrsprachige Literaturen 111
4.2 Camilleri italienische Krimi-Leser dazu bringt, Sizilianisch zu verstehen 119
4.3 Kroatisch, Sardisch und Arbëresh in italienischen Erzählwerken: drei Beispiele 125
4.4 Beurs, Germanesi und Almancılar 131
4.5 Die Funktionalisierung von Wolof-Elementen in zwei neueren Dakar-Romanen 135
4.6 Liebhaberperspektive und Diglossie 138
4.7 Hundeleben in Polyglossien 146
4.8 Ein Grieche in Bangui 148
4.9 Befund 151
KAPITEL 5. Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Roman (II). Aus der Neuen Welt 153
5.1 Die Literarisierung amerikanischer Diglossien und anderer Formen von «kollektivem Bilinguismus» 153
5.2 Ein modernistisches Unikum in Brasilien: "Macunaíma" 156
5.3 Spanisch/Quechua im andinen Indigenismus und Spanisch/Guaraní im Roman Paraguays 160
5.4 Afrikanisches Vokabular in Kuba 168
5.5 Levantinisches in Mexiko 170
5.6 Französisch/Kreolisch in den Literaturen der Karibik 173
5.7 Englisch/Spanisch und vice versa im Chicano-Roman 178
5.8 Französisch/Englisch im Roman Québecs und Akadiens 183
5.9 Befund 189
KAPITEL 6. Theaterstücke mit fremdsprachigen Figurenreden 193
6.1 Am Übergang zur Moderne: Wedekind und Pirandello 193
6.2 Sanguineti und Tiezzi 199
6.3 Antonio Galas mehrsprachiges Spanien 205
6.4 Manet und Koltès 208
6.5 Özdamar und Turrini 212
6.6 Chicano-Theater 215
6.7 Mehrsprachiges Theater in Québec und eine italienisch-spanische Sprachbilanz der Arbeitsemigration 223
6.8 Befund 229
7 Mehr- und Mischsprachigkeit im italienischen Gegenwartsroman 231
7.1 Zur Auswahl und zur Vorgeschichte 231
7.2 Kriegseindrücke: Malaparte, Vittorini, Fenoglio 233
7.3 Spielarten des bürgerlichen Realismus: Bassani, Bufalino, Cergoly und andere 236
7.4 Italienisch-spanische Spiele: Gadda, Morante, Ortese, Camilleri 238
7.5 Avantgardistische Erzählexperimente: vom späteren Calvino über Sanguineti und Masini zu Malerba 245
7.6 Ecos «neue historische Romane» 252
7.7 In der Sprachenhölle 261
7.8 Ein balkanisches Sprachwunder 262
7.9 Befund 264
KAPITEL 8. Innere Emigration, Exil, Galut. Mehrsprachigkeit in spanischen Erzählwerken nach dem Bürgerkrieg 267
8.1 Zuordnungsprobleme 267
8.2 Zur Fremdsprachenpräsenz in zeitgenössischen realistischen Romanen und Erzählungen 268
8.3 Zwei Erneuerer der narrativen Mehrsprachigkeit im franquistischen Spanien: Perucho und Martín-Santos 273
8.4 Barnatáns sephardische Trilogie 279
8.5 Juan Goytisolos «formalistische» Romane 281
8.6 "In Finnegan’s Wake": Julián Ríos, Larva 291
8.7 Befund 305
KAPITEL 9. Europäische Fremdsprachen in lateinamerikanischen Erzählwerken 307
9.1 Gattungen, Poetiken und Konventionen 307
9.2 Deutsch in einigen Erzähltexten brasilianischer Autoren 310
9.3 Borges und Bioy Casares 314
9.4 Zwischen Lateinamerika und Paris: Carpentier, Sabato und Cortázar 316
9.5 Cabrera Infante, Tres tristes tigres 324
9.6 Zwei chilenische Romanciers im Exil: Donoso und Skármeta 334
9.7 Zwei Poetiken der Mehrsprachigkeit bei Carlos Fuentes 336
9.8 Die nahen Verwandten: Italienisch und Französisch in Carlo Cocciolis Pequeño karma segundo 340
9.9 Aridjis’ "Los Invisibles" als mehrsprachiger Hypertext 343
9.10 Befund 347
KAPITEL 10. Mehrsprachigkeit in der französischen Erzählliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit einem Vorläufer 349
10.1 Öffnungsprobleme einer Leitliteratur 349
10.2 Heteroglossie als Nebeneffekt bei Queneau und Perec 353
10.3 Ferne Orte: Bouvier, Le Clézio, Olivier Rolin, Quadruppani 358
10.4 Angloamerikanische Affinitäten: Hoog, Federman, Robin, Huston 367
10.5 Die fremden Verwandten: Spanisch (und Italienisch) bei Claude Simon, Semprun, Manet und anderen 372
10.6 Maurice Roche, "Compact" und "Circus" 382
10.7 Sollers "ultra Finnegan" 386
10.8 Brodecks Deutsch als Antwort auf die Vorgänger 390
10.9 Befund 394
KAPITEL 11. Der Zauberer und sein Schatten. Heteroglossie in der jüngeren deutschen Erzählliteratur 397
11.1 Die Brüder Mann als Wegbereiter 397
11.2 Thomas Manns Alterswerk 403
11.3 Drei politische Auslandsreisen: Ulrich Becher, Fritz Rudolf Fries, Marie-Thérèse Kerschbaumer 407
11.4 Bargfelder Spiele: Arno Schmidts "Abend mit Goldrand" 412
11.5 Rekonstruierte Biographien: Jean Améry und W. G. Sebald 418
11.6 Uwe Johnsons "Jahrestage" 425
11.7 Castorp-Repliken: Liebe und Fremdsprache in einigen jüngeren Romanen 433
11.8 Martin Walser und andere: ein Kehraus 439
11.9 Befund 443
KAPITEL 12. Eingelagerte Phantasiesprachen 445
12.1 Terminologie, Grenzfälle 445
12.2 Cortázar, Michaux, Buzzati: "glíglico" und Verwandtes 448
12.3 Torrente Ballester und Landolfi: Juan Bastidas "camelo" und andere "disparates" 452
12.4 "Tlön", "Poddema", "Granfrugna", "Drimonia": Borges und andere linguistische Utopica 455
12.5 Bariliers kvakien und die Phantasiesprachen in Wilcocks "Frau Teleprocu" 459
12.6 Le Clézio: die Sprache "Elmen" und Chancelades "mots incompréhensibles" 464
12.7 Tiezzis "lingua incomprensibile e indecifrabile" 468
12.8 Frédéric Werst: "wardwesân" 471
12.9 Befund 475
KAPITEL 13. Polyglotte Lyrik 479
13.1 Systemische und historische Prämissen 479
13.2 Mehrsprachige Lyrik aus Diglossiesituationen 481
13.3 Migration und poetische Mehrsprachigkeit 486
13.4 Interromanische Mischsprachen 492
13.5 Jenseits der Verslyrik: "Laborintus" (Sanguineti), "Diario in Tre Lingue" (Amelia Rosselli) und "Galáxias" (Haroldo de Campos) 495
13.6 Emilio Villa und ein Ausblick auf die Konkrete Poesie 506
13.7 Wege zur Isoglossie: von Papini bis Cassar 514
13.8 Varianten methodisch erzeugter poetischer Mehrsprachigkeit: Métail, Schiavetta 524
13.9 Jandl und Pastior: Übersetzungsspiele und individuelle Mischsprachen 528
13.10 Befund 539
KAPITEL 14. Ergebnisse 541
14.1 Allgemeines und Gliederungsfragen 541
14.2 Gewicht und Imagologie der Einbettungssprachen 542
14.3 Gesellschaftliche und poetologische Quellen der literarischen Heteroglossie 544
14.4 Zur Gesamtentwicklung der literarischen Heteroglossie in Korrelation mit bestimmten Poetiken 546
14.5 Noch einmal zu den Funktionen 548
14.6 Ideologien der Polyglossie und die literarische Realität 550
Bibliographie 555
Register 603