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Bekenntnis und Ambiguität

Pierre Klossowskis Frühwerk

Hock, Jonas

Studia Romanica, Bd. 212

2018

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Pierre Klossowski ist heute als Vordenker und Vertreter des französischen ‚Poststrukturalismus‘ anerkannt. Kaum untersucht ist jedoch sein Frühwerk, insbesondere der erste Roman ‚La vocation suspendue‘. Ausgehend von der Rekonstruktion des Entstehungskontextes und einer minutiösen Textanalyse wird die werkbiographische sowie literaturhistorische Sonderstellung des Romans dargelegt. Thematisch greift das Werk auf den Renouveau Catholique zurück, technisch dem Nouveau Roman vor. Es verkörpert und veranschaulicht exemplarisch die Spannung zwischen Bekenntnis (als Sichbekennen zu einem Glauben und autobiographisches Geständnis) und Ambiguität (als Mehrdeutigkeit der Zeichen und Undeutlichkeit des Bezeichneten). Die eigenwillige Position, die Pierre Klossowski sich mit seinem ersten Roman erarbeitet, wird zum Ausgangspunkt für sein gesamtes weiteres Werk – von der Trilogie der ‚Lois de l’hospitalité‘ bis zu seinen Arbeiten über Sade und Nietzsche.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Cover Cover
Titel 3
Impressum 4
Inhaltsverzeichnis 5
Einleitung 7
1 Grundrisse der Produktion, Konfiguration und Rezeption des Werks 17
1.1 Skandal – Verleugnung – Kontinuität: Klossowskis erster Roman 17
1.2 Inhalt, Textkonstitution und Grundfragen der Analyse 24
1.3 Forschungsüberblick: die späte Rezeption des Frühwerks 35
2 Dreifache Suspension: Gattung, Geschichte und Mise en abyme 41
2.1 Der Roman als Suspension der literarischen Gattung 41
2.1.1 Die autobiographische Dimension: der Roman und das Prinzip Schlüssel 42
2.1.2 Entsagung von der Entsagung: „La vocation suspendue“ als Entwicklungsroman 71
2.1.3 Der Roman im Antiroman: Kommentarparodie als Sonderform der Herausgeberfiktion 75
2.2 Suspension der Geschichte – „histoire“ und „Histoire“ in der Schwebe 86
2.2.1 Roman und Referenz 86
2.2.2 Roman und Geschichte 89
2.3 Das unvollendete Fresko als ekphrastische Mise en abyme des Textes 91
2.3.1 Bestimmung der Mise en abyme 92
2.3.2 Dreifache Spiegelung: Dogmenkonflikt, Innerlichkeit und Erzählbewegung 99
2.3.3 Zwischenfazit: Dimensionen der Ambiguität in „La vocation suspendue“ 102
3 Veräußerlichung des Glaubensstreits und Entäußerung des Glaubens 105
3.1 Vollendung des Freskos und Aufhebung der Berufung 105
3.1.1 »Je quitte Rome« ‒ subjektive Aufhebung der objektiven Berufung? 105
3.1.2 Ikonologische und dogmatische Dimensionen des Freskos 114
3.2 Marienverehrung und literarische Marienbildnisse 121
3.2.1 Renouveau Catholique: »La Vierge pour certains et la Vierge pour tous« 121
3.2.2 Unvollendbarkeit und Marienbildnis in Balzacs „Le chef- dʼ œuvre inconnu“ 126
3.3 Die intertextuelle Einschreibung des Weiblichen 132
3.3.1 Corneilles Horace und das Ressentiment gegen Rom 132
3.3.2 Weibliche Schuld – Rousseaus „Émile et Sophie“ 135
3.3.3 Zwischenfazit: Ambiguisierung der Bekenntnisse 138
4 Bekenntnisse zur Ambiguität 141
4.1 Sade 1947/1967: vom Nächsten zum Ruchlosen – Positionen des kritischen Werks Pierre Klossowskis 142
4.1.1 Der Andere als Sünder und Nächster 144
4.1.2 Sade als Nächster und heimlicher Christ 149
4.1.3 Sade als Ruchloser und unvollkommener Atheist 153
4.2 Die Ambiguitäten der Roberte: Bekenntnis zum Solözismus in den „Lois de l’hospitalité“ 157
4.2.1 Die Gesetze der Gastfreundschaft – Simulakrum, Stereotypie, „signe unique“ 157
4.2.2 Gestischer Solözismus und Ambiguisierung nach Vorbild der „Vocation suspendue“ 161
4.2.3 ›Das ewig Weibliche‹ – Mythos und Stereotyp 165
4.3 Ambiguisierungsverfahren im literarischen Umfeld: Klossowski und der Nouveau Roman 173
4.3.1 Roman im Roman im Nouveau Roman: Ambiguisierung bei Butor, Robbe-Grillet und Sarraute 173
4.3.2 Transposition der Erfahrung bei Simon und Klossowski 178
Schluss 195
Literaturverzeichnis 199
Dank 213
Backcover 214