
BUCH
Minnekommunikation
Sprechen über Minne als Sprechen über Dichtung in Epik und Minnesang um 1200
Studien zur historischen Poetik, Bd. 14
2013
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Bibliografische Daten
Abstract
Was haben Verliebte und Dichter gemeinsam? Beide stehen vor der Herausforderung, die rätselhafte Erfahrung von Liebe in Worte zu fassen. In Liedern und Romanen des 12. bis 15. Jahrhunderts erscheint Minne vor allem als gelungene oder gestörte Kommunikation: Sie bringt die Betroffenen zum Nachdenken und zum Reden, um dann auch den Geliebten oder die Geliebte zur Minne zu über-reden. Ganz ähnlich müssen Dichter Ende des 12. Jahrhunderts ihr Publikum mit dem neuen Motiv „Minne“ und der kulturellen Innovation höfischer Dichtung erst vertraut machen und zur Annahme ihrer Kommunikationsangebote bewegen. Die Rezipienten von Minnedichtung werden zum Nachdenken und Sprechen über Minne und damit stets auch zum Nachdenken und Sprechen über ihr Medium, die Dichtung, angeregt. Die mit dieser Studie vorgelegten Analysen textinterner Minnekommunikationen ermöglichen Rückschlüsse auf textexterne Produktions- und Rezeptionsbedingungen, die sich in den Kommunikationsangeboten der Texte spiegeln.
Inhaltsverzeichnis
Zwischenüberschrift | Seite | Aktion | Preis |
---|---|---|---|
Inhalt | 7 | ||
I Vorüberlegungen | 11 | ||
1 Einleitung | 13 | ||
1.1 Eigenschaften und Funktionen des literarischen Motivs Minne | 16 | ||
1.1.1 Minne: Außerordentlich mißverständlich | 17 | ||
1.1.2 Dichter und Rezipienten: Die Liebhaber exklusiver Kunst | 18 | ||
1.1.3 Forschungspositionen: Funktionen de | 23 | ||
1.1.4 Zur Textauswahl | 32 | ||
1.2 Begriffe und Definitionen | 35 | ||
1.2.1 Der literarische Diskurs und seine eingeweihten Rezipienten | 37 | ||
1.2.2 Höfische Minnekonzeptionen, Minneauffassungen, Minnekommunikation | 43 | ||
1.2.3 Metareferentialität | 46 | ||
2 Ausgangspunkte: Französische Vorbilder | 49 | ||
II Epik | 61 | ||
1 Vorbemerkungen | 63 | ||
1.1 Denken und Fühlen: Minnekonzeptionen der höfischen Romane | 64 | ||
1.2 Dynastische Heiratspolitik: Alternative Minnekonzeptionen | 69 | ||
1.3 Dichter, Erzähler und die Kommunikationsstrukturen der frühen Epik | 75 | ||
2 Von minnen, diu mir ê unkunt was: Heinrichs von Veldeke Eneasroman | 83 | ||
2.1 Die Dido-Episode: Taten statt Worte | 84 | ||
2.1.1 Theorie und Praxis 1: Annas Minnelehre und Eneas’ Tatkraft | 85 | ||
2.1.2 Minne oder (Gast)Freundschaft? Die Tücken der Terminologie | 89 | ||
2.2 Die Lavinia-Episode: Reden, um zu verstehen | 97 | ||
2.2.1 Reden, ohne zu verstehen: Das Minnegespräch | 98 | ||
2.2.2 Theorie und Praxis 2: Minneerfahrung als Schlüssel zur Verständigung | 100 | ||
2.3 Schlußfolgerung: Einführungskurs Minnekommunikation | 107 | ||
3 So lerne einen zouberlist: Hartmanns von Aue Klage | 109 | ||
3.1 Rezeptionsanweisung für Hartmans Innenleben: Der Prolog | 110 | ||
3.2 Lernen im Rollenspiel: Die Stichomythie | 114 | ||
3.3 Daz er an den buochen las: Das Schlußgedicht | 119 | ||
3.4 Schlußfolgerung: Formen und Funktionen von Minnedichtung | 126 | ||
4 Daß macht alleß der tranck: Eilharts von Oberg Tristrant | 131 | ||
4.1 Tristrant, der Ritter mit der Minne | 133 | ||
4.1.1 Mechanismen der Minne: Trankminne als Dienstminne | 136 | ||
4.1.2 Der pragmatische Held: Minne und Ehe | 141 | ||
4.2 Täuschend ähnlich: Minneauffassung | 143 | ||
4.3 Schlußfolgerung: Eilharts Literaturkritik | 148 | ||
5 Diu minne zôch ir herze dar: Gottfrieds von Straßburg Tristan | 151 | ||
5.1 Der Trank, die Minne und die ›Trankminne‹ | 152 | ||
5.2 Die edelen herzen: Die Rezeptionsgemeinschaft der Literaturliebhaber | 162 | ||
5.2.1 Die edelen herzen und die Kunst | 169 | ||
5.2.2 Die edelen herzen und die Minne | 176 | ||
5.3 Unterschiede sehen und verstehen: Minne als Kommunikationsmedium | 181 | ||
5.3.1 Die Minnebußpredigt: Die Sünden der Dichter und die triuwe der Erzählung | 182 | ||
5.3.2 Der kleine Unterschied: Petitcriu und der Abschied der Minnenden | 190 | ||
5.3.3 Wege und Irrwege der Rezeption: Tristan in Arundel und der Minnesang | 197 | ||
5.4 Schlußfolgerung: Minneeinheit – Gottfrieds Integrationsbemühungen | 203 | ||
6 Resümee: Formen und Funktionen höfischer Minnekonzeptionen | 207 | ||
6.1 Minnekommunikation: Sprechen über Minne und Dichtung | 208 | ||
6.2 Literarische Minneerfahrung: Zur außerliterarischen Geltung von Minne | 212 | ||
6.3 Weitere Positionen: Epische Minnekonzeptionen im 13. Jahrhundert | 216 | ||
III Minnesang | 225 | ||
1 Vorbemerkungen | 227 | ||
1.1 Früher Sang und frühe Minne? Zu den Minnekonzeptionen des Sangs | 228 | ||
1.2 Ich und Dichter, Text- und Metaebene: Zur Terminologie | 235 | ||
1.3 Selbstreferenz und deiktische Schlagworte: Zur Liedauswahl | 241 | ||
2 Dâ ist nie dehein dorpeit under: Heinrich von Veldeke | 247 | ||
2.1 Perspektiven auf Minne: Das deiktische Schlagwort blîdeschaft | 249 | ||
2.1.1 Perspektivwechsel: Minne als Überredungskunst und Ritual (Lied I und II) | 254 | ||
2.1.2 Gründe zur vröide: Das Potential des literarischen Diskurses | 261 | ||
2.1.3 Das deiktische Schlagwort und der Minnediskurs in Spruchstrophen | 265 | ||
2.2 Zweistimmig: Metakommunikation in Liedern über das Singen | 269 | ||
2.2.1 Sang statt Minne | 269 | ||
2.2.2 Ein Blick in die Werkstatt | 275 | ||
2.3 Schlußfolgerung: Die vröide an der Vielfalt | 277 | ||
3 Ez ist ein klage und niht ein sanc: Hartmann von Aue | 281 | ||
3.1 Funktionen des Sangs: singen und klagen | 282 | ||
3.1.1 Lied II: Verborgene Botschaften | 283 | ||
3.1.2 Die Kunst der Klage: klagen als deiktisches Schlagwort | 288 | ||
3.1.3 Präsent bleiben: Das deiktische Schlagwort als Signatur | 291 | ||
3.1.4 Zwischenergebnis: Hartmanns Sängerrolle und die Funktion seines Sangs | 294 | ||
3.2 Suche nach Erkenntnis: Hartmanns Experimente mit Minne | 296 | ||
3.2.1 Neue Minne, neuer Sang: Der beschwerliche Weg des Dichters (Lied XVII) | 297 | ||
3.2.2 Ursache und Wirkung: Zum Zusammenhang von staete und sanc (Lied I) | 303 | ||
3.3 Schlußfolgerung: Hartmanns Blick auf das Wesentliche | 307 | ||
4 Daz schaffet mir ein vrouwe vruot: Heinrich von Morungen | 311 | ||
4.1 Ich enweiz, wer dâ sanc: Das singende Ich und die anderen Sänger | 315 | ||
4.2 Aufsehenerregend: Der rôte munt als deiktisches Schlagwort | 323 | ||
4.2.1 Wie ich sie schuf: Die Schönheit der Dame und der Dichtung | 325 | ||
4.2.2 Überraschung? Das deiktische Schlagwort als Rezeptionsanweisung | 335 | ||
4.2.3 Liebeskrieg und Wortgefecht: Das deiktische Schlagwort als Kriegserklärung | 340 | ||
4.3 Schlußfolgerung: Möglichkeiten und Grenzen eines Dichters | 345 | ||
5 Mit vuoge und ander spil: Walther von der Vogelweide und Reinmar | 349 | ||
5.1 Spiel mit Worten: Zum Wesen der ›Dichterfehde‹ | 349 | ||
5.2 Gefährliche Spiele: Zur Spielterminologie bei Reinmar | 358 | ||
5.3 Die Schachlieder: Ein ›Minnesang-Partimen‹ | 364 | ||
5.3.1 Teilen und Wählen: Reinmars Wahl (Lied XIV und Lied X) | 364 | ||
5.3.2 Walthers Spielzug: Lied 81 | 378 | ||
5.4 Im Spiel bleiben: Zur Funktion der Spielregeln bei Walther | 387 | ||
5.4.1 Grundsatzfragen: GedankenSpiele in Lied 23/23a und Lied 37 | 390 | ||
5.4.2 Neue Gegner im alten Spiel: Lied 85 | 396 | ||
5.5 Schlußfolgerung: Die Spielregeln des Minnesangs | 400 | ||
6 Resümee: Minnesang als Kommunikationsmedium | 407 | ||
6.1 Die Minne und der Diskurs: Zur Leistung des Mediums Minnesang | 407 | ||
6.2 Markierungen von Metareferenz: Sang über Sang und deiktische Schlagworte | 412 | ||
6.3 Fortsetzung folgt: Minne und Sang im 13. Jahrhundert | 417 | ||
IV Schlussbetrachtung: Minne, Dichtung und höfische Gesellschaft | 425 | ||
Literaturverzeichnis | 443 |