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Poetik des Phantasmas

Eine imaginationstheoretische Lektüre der Werke Hartmanns von Aue

Strittmatter, Ellen

Studien zur historischen Poetik, Bd. 15

2013

Zusätzliche Informationen

Bibliografische Daten

Abstract

Erst die Gegenwart eines Vorstellungsbildes stellt mittelalterlicher Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorie zufolge die Voraussetzung für das Verstehen dar. Ohne den feinstofflichen Abdruck, der sich im Wahrnehmungsapparat bildet, wenn die äußeren Sinne (sensus exteriores) Informationen an die inneren Sinne (sensus interiores) vermitteln, ist Denken nicht möglich. Wenn Wahrnehmen und Erkennen an die Präsenz eines Phantasmas gebunden sind, wenn der semantische Gehalt der Sprache selbst das Vorhandensein eines Vorstellungsbildes voraussetzt, lässt sich auch das Dichten als Reorganisation der inneren Bilder verstehen, als Produktionsprozess, der die eigenen Bedingungen nachzeichnet und ins Bild setzt. Die vorliegende Studie untersucht am Werk Hartmanns von Aue, wie sich das erkenntnistheoretische Problem der Phantasmen-Bildung in einer Kultur, deren pikturale wie literarische Werke Rücksicht auf die Darstellbarkeit durch Prozesse innerer Verbildlichung nehmen müssen, poetisch umsetzen lässt.

Inhaltsverzeichnis

Zwischenüberschrift Seite Aktion Preis
Vorwort 5
Inhalt 7
Einleitung 11
1. Pneumophantasmologie der Minne 18
1.1. Minne 18
1.2. Phantasmologie 19
1.3. Pneumatologie 26
2. Eine imaginationstheoretische Lektüre 32
I. Der Arme Heinrich 41
1. Der Riss an der Oberfläche: Heinrichs Fall 46
2. Exkurs: Melancholie und "amor hereos" 56
3. Zwischen Hiob und Absalom: Heinrichs Anamnese 67
4. Das Wunder zwischen Medizin und Magie 85
5. Die Möglichkeit des Unmöglichen 92
6. Zeitliche Unschärfe und Gegenwart 104
7. Der Spalt in der Wand zur Kammer: Innenblick und Herzensraub 112
8. Der Schnitt am Herzen des Mädchens: Im Inneren der Kammer 121
9. Meister und Mädchen: Ratio und Imaginatio 125
10. Zusammenfassung 140
II. Die Klage 143
1. Das Minneparadox als Einheit und Spaltung 146
2. Der ›muot‹ als Materie, Medium und Richtung der Gedankenbewegung 161
3. Die Minnebiographie 168
4. Die Wahrnehmung des ›lîp‹: Die inneren Sinne des Herzens 174
4.1. Sensus interiores 176
4.2. Ratio 177
4.3. Memoria 178
5. Die Wahrnehmung des ›herze‹: Die äußeren Sinne des Leibes 179
6. Die Gesinnung des Herzens und der Aufruf zur Werbung 188
7. Das Wenden des ›muotes‹ und der Zauberlist des Herzens 192
8. Gemeinsamer Minnesang als Neuordnung des sprachlichen Materials 200
9. Perspektivische Komplexität 204
10. Zusammenfassung 206
III. Die Artusromane Erec und Iwein 211
1. Spiegelkalkül und Wiederholung: die Struktur des "Erec"-Romans 215
2. Wandernde Paare: Distinktion und Äquivalenz der Gleichen 220
3. Durch den Tod: Erecs und Enites Herzensräume 226
4. Die Zelterbeschreibung 228
4.1. Sensus communis (V. 7264–7365) 234
4.2. Imaginatio (V. 7366–7392) 244
4.3. Ratio (V. 7462–7525) 252
4.4. Memoria (V. 7526–7766) 255
5. Zusammenfassung ("Erec"-Roman) 265
6. Wiederholung und Inversion: Die Struktur des "Iwein"-Romans 268
7. Minnemechanismus und Wahrnehmungsapparat: Brunnen-Aventiure und Minneburg 275
8. Herzensraub und Herzenstausch 286
9. Bildentzug und Bildwerdung: Iweins Verschwinden und seine Rückkehr als Löwenritter 291
10. Zusammenfassung (Iwein-Roman) 305
IV. Die Iwein-Fresken auf Burg Rodenegg 309
1. Verdichtung 313
2. Dynamisierung 318
2.1. Szenen I und II 320
2.2. Szene III 321
2.3. Szenen IV und V 323
2.4. Szene VI 325
2.5. Szenen VII, IX und XI 327
2.6. Szenen VIII, X und XII 329
3. Szenenarrangement, Formen, Farben 331
4. Imaginationsarchitektur 334
V. Die Lieder 347
1. Die scheinbare Bilderlosigkeit und die Begriffe der Minne 347
2. Beständigkeit und Wankelmut: Lied I (MF 205,1) 349
3. Das Maß der Minne: Lied III (MF 207,11) und VIII (MF 212,13) 361
4. Ferne und Nähe: Lied XVII (MF 218,5) 368
5. Zusammenfassung 376
Poetik des Phantasmas 379
1. Die Bilder 379
2. Der Wahrnehmungsapparat 379
3. Das Phantasma 381
4. Typologie des Phantasmas 383
5. Bilderlosigkeit 385
Literaturverzeichnis 387
Register 417