
BUCH
Mythische Motivierung
Narrative Strukturen in Prosatexten der Frühromantik
Studien zur historischen Poetik, Bd. 28
2019
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Bibliografische Daten
Abstract
In beinahe jedem Roman der Romantik, jeder romantischen Erzählung kommt solchen Motiven eine handlungstragende Rolle zu, die ihren Ursprung in ‚genealogischen‘ Zusammenhängen haben: Freundschafts- und Bruderverrat, Verwandten- und Vatermord, Inzest, Erbsünden sowie die Suche nach der Familie und dem eigenen Ursprung sind bekannte Beispiele dafür. Das Auftreten dieser Motive ist durch eine inhaltliche Verbindung zu einer (familiären) Vergangenheit gekennzeichnet, welche die Geschehnisse final – vom Ende her – motiviert. Der vorliegende Band zeigt am Beispiel der deutschen Frühromantik auf, wie derartige, einem ‚mythischen‘ bzw. mythos-analogen Schema verpflichtete Motive den jeweiligen Text um eine finale Lesart erweitern. Es wird dabei auf das von Clemens Lugowski begründete Modell des ‚formalen Mythos‘, das mythische Eigenschaften in der narrativen Form von Texten bezeichnet, zurückgegriffen. Gegenstand der Analyse sind Romane und Erzählungen von Ludwig Tieck, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang Goethe, Clemens Brentano und Dorothea Veit.
Inhaltsverzeichnis
Zwischenüberschrift | Seite | Aktion | Preis |
---|---|---|---|
Umschlag | Umschlag | ||
Titel | 3 | ||
Impressum | 4 | ||
Vorwort | 7 | ||
Inhalt | 9 | ||
Einleitung | 11 | ||
I Theoretische Annäherungen: Narrative Motivierung | 27 | ||
1 Kausale Motivierung | 34 | ||
2 Finale Motivierung | 36 | ||
3 Kompositorische Motivierung | 41 | ||
4 Die Kombination unvereinbarer Motivierungsarten: Doppelte Welten | 44 | ||
5 Beweggrund und Bewegtes: Motivierung und Motiv | 47 | ||
II Formaler Mythos als methodische Schnittstelle: von der Handlungsmotivierung zum mythischen Denken | 51 | ||
1 Zum Mythosbegriff in der Literaturwissenschaft | 52 | ||
Begriff | 53 | ||
Theorien | 56 | ||
2 Vorgänger- und Vergleichskonzepte in der Literaturwissenschaft des 20. Jahrhunderts | 59 | ||
Russischer Formalismus | 59 | ||
Ernst Cassirer, ›Philosophie der symbolischen Formen‹ (1925) | 63 | ||
André Jolles, ›Einfache Formen‹ (1930) | 64 | ||
3 Clemens Lugowski, „Die Form der Individualität im Roman“ (1932) | 67 | ||
4 Neuere Forschungsarbeiten | 78 | ||
Formaler Mythos in der Mediävistik | 78 | ||
Formaler Mythos in der neueren deutschen Literaturwissenschaft | 81 | ||
III Kontexte | 95 | ||
1 Mythos und Mythisches in der Romantik | 96 | ||
Klassizismus, alte und neue Mythologie | 97 | ||
Genealogie, Vor- und Selbstbestimmung – Diskurse um 1800 | 103 | ||
Antikerezeption und Mythosbegriff bei Autoren der Frühromantik am Beispiel Ludwig Tiecks | 111 | ||
2 Literarische Felder und poetologische Prämissen um 1800 | 116 | ||
Leser, Verlagswesen, Autoren | 117 | ||
Populäre Motive und Erzählmuster | 124 | ||
IV Ursprungserzählungen oder der Ursprung des Erzählens: ›Schicksals‹-Motivik | 129 | ||
1 Bruder- und Freundschaftsverrat | 130 | ||
»Mich beschäftigen jezt Dinge, die mein Herz nur flach rühren«: Friedrich Schiller, Der Geisterseher (1787-98) | 135 | ||
Das fatale Fatum: Ludwig Tieck, Abdallah (1795) | 146 | ||
Dystopie der Freundschaft: Ludwig Tieck, William Lovell (1795/96) | 161 | ||
2 Inzest | 171 | ||
Mignons Geheimnis. Johann Wolfgang Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96) | 176 | ||
Schon immer geahndet? Ludwig Tieck, ›Der blonde Eckbert‹ (1797) | 195 | ||
3 Genealogische Suche | 206 | ||
Vom Chevalier zum Bourgeois: Ludwig Tieck, ›Die Sühne. Eine Scene aus dem Mittelalter‹ (1795) | 210 | ||
Zwischen Herkunft, Liebe und Kunst. Ludwig Tieck, ›Franz Sternbalds Wanderungen‹ (1798) | 218 | ||
Suche nach der Mutter: Clemens Brentano, ›Godwi‹ (1800/01) | 231 | ||
»Und hiemit soll es nun endigen?« Dorothea Veit, ›Florentin‹ (1801) und ›Camilla‹ (ca. 1801-1808) | 243 | ||
V Die Semantik der Form: mythos-analoge Textstrukturen | 267 | ||
1 Wiederholungsstrukturen | 268 | ||
Leitmotive am Beispiel von ›William Lovell‹ | 269 | ||
Genealogische Wiederholung am Beispiel von ›Heinrich von Ofterdingen. Ein nachgelassener Roman von Novalis‹ (1802) | 274 | ||
2 Peritexte als Mittel der Rezeptionslenkung bei Ludwig Tieck | 286 | ||
Frontispize | 287 | ||
Motti | 296 | ||
Strukturen vormodernen Erzählens in moderner Literatur? Fazit | 303 | ||
Literaturverzeichnis | 317 | ||
Rückumschlag | 330 |